Laut einem Bericht vom 3. November 2026 plante Argo Space für 2027 zwei Flüge seines Raumfahrzeugs Chiron, um den Antrieb und Manöver im Orbit zu erproben. Das Konzept nutzt Wasser als Ausgangsstoff: Solarenergie soll es in Wasserstoff und Sauerstoff spalten, die anschließend in einem Raketentriebwerk verbrannt werden.

Wie Chiron Wasser in Schub umwandeln soll

Ablauf vom gespeicherten Wasser über solarbetriebene Spaltung in Wasserstoff und Sauerstoff bis zur Verbrennung im Raketentriebwerk.

Bei Argo Spaces beschriebenem Antrieb wird flüssiges Wasser zunächst an Bord gespeichert. Solarstrom spaltet es in Wasserstoff und Sauerstoff; die Gase sollen dann in einem konventionellen Raketentriebwerk verbrennen und Schub erzeugen. Das Wasser ist also der Ausgangsstoff für die Treibgase, nicht die Flüssigkeit, die direkt aus einer Düse austritt.

Das unterscheidet das Konzept von einer Flaschenrakete: Dort presst Druckluft Wasser aus der Flasche, um Schub zu erzeugen. Argo Spaces Entwurf setzt dagegen auf einen chemischen Antrieb mit zuvor aus Wasser gewonnenen Gasen. Die Speicherung von Wasser als relativ dichter Flüssigkeit bei moderatem Druck soll außerdem getrennte, kryogen gekühlte Tanks für flüssigen Wasserstoff und Sauerstoff vermeiden.

Warum Navigator den Antrieb nicht testete

Navigator flog als Mitflug-Nutzlast einer Falcon 9 und nahm im Orbit Kontakt auf. Von den beiden ausklappbaren Solarpaneelen entfaltete sich jedoch eines nicht. Wegen der dadurch fehlenden Stromversorgung konnte Argo den Antrieb nicht testen.

Argo zufolge ließen sich bei Navigator dennoch Flug- und Bodensoftware, Avionik, Struktur und Systeme bis zur Flugqualifikation überprüfen. Der für Chiron beschriebene Antrieb war damit bei diesem Flug nicht erprobt.

Zwei Chiron-Flüge mit unterschiedlichen Zielen

Für die beiden 2027 vorgesehenen Missionen nannte der Bericht verschiedene Zielorbits und Trägerraketen. Beide Flüge sollten Antrieb und Manövrierfähigkeit erproben.

Geplanter FlugZielorbitVorgesehene TrägerraketeZiel
Erster FlugNiedriger ErdorbitNeue kommerzielle TrägerraketeAntrieb und Manövrierfähigkeit erproben
Zweiter FlugGeostationärer TransferorbitVon der Regierung bereitgestellte TrägerraketeAntrieb und Manövrierfähigkeit erproben

Welche Leistungswerte Argo für die Fahrzeuge nennt

Für Chiron gab Argo eine Masse von rund 200 kg und eine Δv-Leistung von mehr als 2 km/s an. Δv, die sogenannte Geschwindigkeitsänderung, beschreibt, wie stark ein Raumfahrzeug seine Geschwindigkeit durch den Antrieb verändern kann. Als Beispiel führte Argo einen möglichen Wechsel von einer kreisförmigen Umlaufbahn in etwa 400 km Höhe auf eine Bahn oberhalb von 5.000 km an. Auch mehrere Jahrzehnte Bahnhaltung im geostationären Orbit nannte das Unternehmen als mögliche Anwendung. Das sind Angaben zur geplanten Leistung, keine Ergebnisse eines Chiron-Flugs.

Für Argonaut, Argo Spaces größeres Transportfahrzeug, wurden eine maximale Nutzlast von 1.400 kg und ein Δv von bis zu 17 km/s pro Tank angegeben. Diese Fahrzeugwerte gehören zu Argonaut und nicht zu Chiron.

Argonaut soll den Relaissatelliten Alpine zum Mond bringen

Am 17. September 2026 gab ispace bekannt, dass ispace-U.S. und Argo Space einen endgültigen Vertrag geschlossen hatten: Argonaut soll Alpine, den Relaissatelliten des geplanten Lunar-Connect-Netzes, in eine Mondumlaufbahn bringen. Die Mission 2.5 könnte laut ispace frühestens 2027 starten. ispace meldet den Vertrag für Mission 2.5.

ispace plant Lunar Connect als Netz aus mindestens fünf Satelliten für Kommunikation, Positionierung, Beobachtung und Weltraumlageerfassung rund um den Mond. Die übrigen Satelliten sollten nach dem Plan bis 2030 ausgebracht werden.