Der ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO) wies Wasserstoffchlorid (HCl) in der Marsatmosphäre nahe Alba Mons nach. Das örtlich begrenzte Signal und Brüche an den Hängen passen zu der Möglichkeit, dass Gase aus einem magmatischen System unter der Oberfläche entweichen. Daniel Mège, Mitautor der Studie, nannte diese Erklärung im ESA-Interview vom 4. November 2026 unter den geprüften Möglichkeiten die wahrscheinlichste. Mège zufolge wurden auf dem Mars keine Vulkanausbrüche oder fortschreitenden Lavaströme beobachtet.
Was TGO nahe Alba Mons gemessen hat
Die HCl-Konzentration lag laut Mège in der Größenordnung von 2 ppbv. Das entspricht etwa zwei HCl-Molekülen pro einer Milliarde Luftmoleküle. Die Spurengaskonzentration allein verrät noch nicht, woher das Gas stammt.
Wie Hangbrüche mit dem HCl-Signal zusammenhängen
Für die Analyse wurden Atmosphärendaten der Atmospheric Chemistry Suite (ACS) mit Aufnahmen der CaSSIS-Kamera an Bord von TGO verbunden. Das HCl-Signal war während einer ungewöhnlichen Phase im frühen nördlichen Sommer nahe Alba Mons lokalisiert. Aufnahmen zeigen schmale Brüche an den Hängen, teils Hunderte Meter lang, sowie damit verbundene Farbänderungen im Gelände.
Die Forschenden schlagen vor, dass solche Brüche Gas aus dem Untergrund nach außen leiten könnten. Zusammen mit den atmosphärischen Messungen ergibt sich so eine mögliche geologische Erklärung. Der Zusammenhang ist jedoch eine Deutung der Beobachtungen, kein direkter Nachweis von Magma.
Entscheidend ist die Kombination aus lokalem HCl-Signal und Hangbrüchen. Der magmatische Ursprung bleibt eine wissenschaftliche Deutung.
Warum Jahreszeiten die Deutung erschweren
HCl-Konzentrationen sind im nördlichen Winter gewöhnlich am höchsten und sinken im Sommer fast bis zur Nachweisgrenze. Das örtliche Signal nahe Alba Mons fiel dagegen in den frühen nördlichen Sommer. Diese lokale Auffälligkeit steht neben dem allgemeinen saisonalen Muster.
Mège zufolge können Eispartikel HCl aufnehmen. Außerdem könnten saisonales Gefrieren und Auftauen des oberflächennahen Permafrosts in hohen Breiten Gase festhalten oder wieder freisetzen. Auch Staub- und Wasserkreisläufe scheinen einen großen Teil der allgemeinen jahreszeitlichen Schwankungen zu erklären.
Was der Fund über die Suche nach Leben aussagt
Mège ordnet HCl eher magmatischen Prozessen zu; hydrothermale Gase lassen sich schwieriger einer Quelle zuordnen. Hydrothermale Umgebungen könnten für die Suche nach Leben interessant sein, doch der HCl-Nachweis belegt keine Organismen bei Alba Mons.