Ein niedriger Stromverbrauch allein entscheidet nicht, ob lokale KI gegenüber einem Abo günstiger ausfällt. Eine Messung von Abhinav Raj erfasst die Energie für ein bestimmtes PC- und Modell-Setup; eine separate Beispielrechnung von Flavio Copes berücksichtigt zusätzlich die Hardware. Die beiden Zahlen beantworten unterschiedliche Kostenfragen.
Rechne Anschaffung und Strom getrennt. API-Preise pro Token lassen sich nicht direkt auf ein Pauschalabo übertragen.
Was die Strommessung für ein bestimmtes System ergibt
Abhinav Raj bezifferte in einem am 4. November 2026 veröffentlichten Bericht die Stromkosten seines lokalen Tests auf 14,9 US-Cent je Million erzeugter Tokens. Er nutzte Qwen3.6-35B-A3B in der Quantisierung UD-IQ4_XS auf einem PC mit einer RTX 4070 Ti Super und einem Ryzen 5 7600X. Raj setzte für die Berechnung einen prognostizierten US-Haushaltsstrompreis für 2026 von 18,2 US-Cent je Kilowattstunde an und berechnete die Tokens mit der Spitzenleistungsaufnahme. Raj beschreibt Messung und Rechnung bei XDA Developers.
Bei der Texterzeugung erreichte die kombinierte Spitzenaufnahme von CPU und GPU 251,9 Watt; die gemessene Ausgaberate lag bei 85,5 Tokens pro Sekunde. Raj ermittelte CPU-Paketleistung und GPU-Leistungsaufnahme mit HWiNFO und nvidia-smi im Abstand von einer halben Sekunde. Weil das 16,5 GB große Modell den 16-GB-Grafikspeicher überstieg, verlagerte er Experten aus acht Modellebenen auf die CPU. Eine Rechnung nur mit der GPU-Leistung würde den CPU-Anteil dieses Setups auslassen.
Für eine deutsche Orientierung lässt sich derselbe Energieverbrauch mit dem hiesigen Durchschnittspreis berechnen. Destatis meldete für private Haushalte im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 37,97 Cent je Kilowattstunde. Aus Rajs Leistungsaufnahme und Ausgaberate ergeben sich rund 0,819 kWh pro Million Tokens, also etwa 0,31 Euro zu diesem deutschen Durchschnittspreis. Mit Rajs zusätzlicher Annahme von 100 Watt für nicht erfasste Systemkomponenten und Netzteilverluste steigt der errechnete Verbrauch auf rund 1,143 kWh und die Stromsumme auf etwa 0,43 Euro je Million Tokens. Das sind auf einen deutschen Durchschnittswert umgerechnete Stromkosten für Rajs Testkonfiguration, keine allgemeine Monatsrechnung. Die Destatis-Zahlen für das erste Halbjahr 2026 umfassen Grund- und Arbeitspreise sowie Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen.
Was sich mit Hardwarekosten an der Rechnung ändert
Flavio Copes rechnete ein anderes Szenario mit einer RTX 4090, einem 8B-Q4-Modell und 500.000 erzeugten Tokens pro Tag durch. Seine Annahmen: 1.800 US-Dollar Anschaffungskosten für die GPU, verteilt auf 36 Monate, sowie 8,60 US-Dollar Strom im Monat. Daraus ergeben sich 50 US-Dollar monatliche Hardwarekosten und 58,60 US-Dollar Gesamtkosten pro Monat. Bei 30 Tagen entspricht das 15 Millionen Ausgabetokens. Copes’ Beispielrechnung setzt für die lokale Ausgabe außerdem 40 Tokens pro Sekunde und 400 Watt unter Last an.
Für denselben Umfang vergleicht die Rechnung drei nutzungsabhängige API-Kostenszenarien. Alle Beträge stammen aus Copes’ Beispiel und sind in US-Dollar angegeben.
| API-Szenario | API-Kosten pro Monat | Lokale Gesamtkosten pro Monat | Rechnerischer Ausgleich der Hardwarekosten |
| 0,40 US-Dollar je Million Tokens | 6 US-Dollar | 58,60 US-Dollar | Kein Ausgleich, da die API weniger kostet |
| 2 US-Dollar je Million Tokens | 30 US-Dollar | 58,60 US-Dollar | Kein Ausgleich, da die API weniger kostet |
| 10 US-Dollar je Million Tokens | 150 US-Dollar | 58,60 US-Dollar | Rund 19,7 Monate |
Der letzte Wert ergibt sich aus 1.800 ÷ (150 − 58,60). Er beschreibt den rechnerischen Zeitraum, bis die angenommene Anschaffung gegenüber dem 150-Dollar-API-Szenario ausgeglichen wäre. Im separaten Fall mit zwei Millionen Tokens pro Tag setzte Copes rund 79 US-Dollar lokale Monatskosten und 120 US-Dollar API-Kosten an. Daraus errechnete er rund 43,9 Monate bis zum Ausgleich, länger als die angesetzten 36 Monate Hardware-Abschreibung. Beide Rechnungen hängen an ihren jeweiligen Annahmen zu Gerät, Nutzung und API-Kosten.
API-Preise und Abos rechnen unterschiedlich ab
Eine API wird nach ihrer Nutzung abgerechnet; Pauschalabos haben einen festen Preis und können Nutzungsgrenzen haben. Rajs Vergleich von Stromkosten pro Million Tokens mit API-Preisen liefert deshalb keinen Tokenpreis für ein Abo. Auch Copes’ monatliche API-Szenarien sind keine Abo-Tarife. Für einen Kostenvergleich zählt, welche API-Nutzung die lokale Lösung im jeweiligen Beispiel tatsächlich ersetzt.
Lokale Inferenz ist für manche Nutzer zudem eine Frage von Kontrolle oder Privatsphäre und nicht allein der finanziellen Ersparnis. In einer r/LocalLLM-Diskussion beschrieb ein Nutzer beispielsweise eine Mischform: ein Abo für schwierige Aufgaben, ein lokales Modell für Routinearbeit. Das ist ein persönlicher Nutzungsbericht, kein allgemeiner Kostenvergleich.