Meta erklärte am 20. Oktober, die Maßnahmen zur Umsetzung der Vorgaben von Brasiliens Wahlgericht abgeschlossen zu haben. Nach einem Bericht der Associated Press sollten automatische Sperren oder Einschränkungen von Werbekonten für Präsidentschaftskampagnen binnen zwei Stunden manuell geprüft werden.

Der englischsprachige CNN-Beitrag zeigt Protestierende vor Metas Zentrale in São Paulo und fasst die Vorwürfe sowie die Reaktion des Unternehmens zusammen.

Brasiliens Wahlgericht verlangte gleiche Behandlung

Das brasilianische Oberste Wahlgericht (TSE) verlangte, dass Meta Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro gleich behandelt. Die Wahlkampagne von Lula warf Meta vor, ihre Reichweite durch Algorithmen und Einschränkungen bei der KI-Bilderzeugung zu benachteiligen. Meta bestritt politische Voreingenommenheit. Laut The Guardian sagte Richter Marco Aurélio Bellizze, er habe keine Belege für ein absichtliches Vorgehen des Unternehmens gefunden.

Am 19. Oktober berichtete Al Jazeera von einer weiteren Frist von 24 Stunden für Meta. Zugleich sei das tägliche Zwangsgeld bei Verstößen von 500.000 auf 1 Million brasilianische Reais erhöht worden.

Der Streit folgte auf konkrete Einschränkungen: Am 23. September war ein Werbekonto von Lulas Wahlkampfteam länger als eine Stunde gesperrt. Meta erklärte, eine Prüfung zur Betrugsbekämpfung habe eine Anzeige irrtümlich als Nachahmung eines staatlichen Sozialprogramms eingestuft. Am 9. Oktober konnte das Team laut The Guardian fast 24 Stunden lang neue Instagram-Beiträge nicht bewerben. Meta führte diesen Vorfall auf eine weltweite Störung zurück, die Tausende Werbekunden in verschiedenen Ländern betroffen habe. Betroffen seien neue, nicht ältere Beiträge gewesen; die Kampagne von Flávio Bolsonaro sei nicht beeinträchtigt worden.

Was die manuelle Prüfung abdecken sollte

Die von der Associated Press beschriebene Zwei-Stunden-Frist bezog sich auf automatische Sperren oder Einschränkungen von Konten für Präsidentschafts-Werbung. Meta sagte demnach, die vom Gericht angeordneten Beschränkungen beträfen keine organischen Beiträge, also Inhalte, die nicht als Werbung ausgespielt werden.

Auslandsanzeigen und Bias-Vorwürfe

The Guardian berichtete, NetLab habe mindestens 1.600 Wahlwerbeanzeigen erfasst, die von außerhalb Brasiliens beworben worden seien. Die Zeitung beschrieb solche Anzeigen als nach brasilianischem Recht unzulässig. Débora Salles, Koordinatorin von NetLab, sagte, das Labor habe keine politische Bevorzugung einer der beiden Seiten festgestellt. Der Befund betrifft damit einen anderen Aspekt des Wahlkampfs als die Vorwürfe, Meta habe Lula und Flávio Bolsonaro ungleich behandelt.