Die No-Kings-Koalition erklärte, ihr Treffen mit Meta am 30. Oktober habe keine substanziellen Zusagen zu geänderten Moderationspraktiken oder zusätzlichen Schutzmaßnahmen gebracht. Zuvor hatte Meta die Sperrung des Instagram-Kontos der Koalition als Fehler automatisierter Schutzsysteme bezeichnet. Das Meta Oversight Board sieht konkrete Lücken bei der Fehlervermeidung und bei der öffentlichen Kontrolle solcher Entscheidungen.
Was No Kings nach dem Treffen mit Meta berichtete
Vertreter der Koalition trafen am 30. Oktober hochrangige Meta-Verantwortliche. Nach Darstellung von No Kings ging das Treffen ohne konkrete Zusagen zu Änderungen oder Schutzvorkehrungen zu Ende.
Meta hatte das Instagram-Konto der Koalition am 17. Oktober gesperrt und sich anschließend für den Fehler entschuldigt. Andy Stone, Kommunikationschef von Meta, erklärte, automatische Schutzmechanismen hätten fälschlich auf intensive Aktivität eines Claude-Werkzeugs reagiert. Das Team von No Kings nutzte Claude, um Profile, Beiträge und Hashtags nach Stichwörtern zu durchsuchen.
Welche Schutzlücken das Oversight Board benannte
In einer Erklärung vom 20. Oktober sagte das Meta Oversight Board, der Fehler beim No-Kings-Konto hätte von Metas Systemen zur Fehlervermeidung erkannt werden müssen. Außerdem ließ das Board offen, warum No-Kings-Konten nicht in das sogenannte Cross-Check-Verfahren einbezogen waren. Dieses Verfahren ermöglicht eine menschliche Prüfung, bevor schwerwiegende Entscheidungen über bestimmte wichtige zivilgesellschaftliche Akteure getroffen werden.
Das Board kritisierte auch, dass Meta keine öffentlichen Kennzahlen zur transparenten Bewertung der Wirksamkeit seiner Moderation und ihrer Schwachstellen vorgelegt habe. Es unterscheidet zwei Risiken: Zu strenge Moderation kann zulässige politische Rede unterdrücken; zu schwache Moderation kann die Integrität von Wahlen beeinträchtigen. Die Erklärung des Meta Oversight Board benennt diese Probleme als Fragen der Durchsetzung und Kontrolle.
Zwei US-Konten waren von Moderationsfehlern betroffen
Auch das Kampagnenkonto von Angie Nixon, einer Kandidatin für den US-Senat in Florida, wurde am 27. Oktober entfernt. Meta erklärte, das System habe das neu eingerichtete spanischsprachige Konto irrtümlich für eine Nachahmung der Kampagne gehalten. Das Konto wurde am nächsten Morgen wiederhergestellt.
Was die brasilianische Staatsanwaltschaft beantragte
Am 21. Oktober reichte die zuständige Dienststelle des brasilianischen Ministério Público Federal (MPF) eine Zivilklage gegen Meta Platforms und Facebook Serviços Online do Brasil ein. In dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 5072264-10.2026.4.04.7100 behauptet die Staatsanwaltschaft, im September und Oktober 2026 mehr als 1.000 Fälle unverhältnismäßiger Moderation erfasst zu haben. Diese Vorwürfe stehen in der Klageschrift.
Das MPF beantragte unter anderem, benannte Konten und Inhalte wiederherzustellen, ausschließlich algorithmische Sperrentscheidungen zu untersagen und bei künftigen Einsprüchen eine Prüfung durch menschliche Fachkräfte vorzusehen. Außerdem beantragte es ein Zwangsgeld von 500.000 brasilianischen Real je Konto und Tag bei Nichteinhaltung. Das ist eine Forderung des MPF, keine verhängte Geldstrafe. Zum brasilianischen Kontext berichtete NeoTeo bereits über technische Fehler, die Lulas Wahlkampf betrafen. Die Mitteilung des MPF nennt die beklagten Unternehmen und die beantragten Maßnahmen.
Welche Moderationsänderungen Meta zuvor angekündigt hatte
Im Januar 2025 kündigte Meta an, automatische Prüfungen vor allem bei illegalen und besonders schwerwiegenden Verstößen einzusetzen. Bei weniger schweren Verstößen sollte das Unternehmen erst nach einer Meldung durch Nutzerinnen und Nutzer handeln. Meta sagte außerdem, in mehr Fällen mehrere Prüfende vor einer Kontosperre einzusetzen und große Sprachmodelle bei bestimmten Entscheidungen als zusätzliche Einschätzung zu nutzen. Metas Ankündigung beschreibt diese Änderungen als Unternehmenspolitik.
Für die USA meldete Meta später rund 50 Prozent weniger Moderationsfehler im ersten Quartal 2025 als im vierten Quartal 2024. Diese Zahl stammt von Meta. Der Bericht betrifft die US-Durchsetzung in diesem Zeitraum; er ist keine eigenständige Prüfung der aktuellen Fälle rund um No Kings und Angie Nixon.