Am 14. Juli 2026 setzte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul mit Executive Order No. 62 eine befristete Pause für bestimmte Umweltgenehmigungen zu neuen Hyperscale-Rechenzentren in Kraft. Bereits als vollständig eingestufte Anträge sind ausgenommen. Die Order sieht eine Pause von bis zu einem Jahr vor, während der Bundesstaat Umweltstandards vorbereitet.

Eine am 29. Oktober veröffentlichte Auswertung des Pew Research Center zeigt, wie stark Rechenzentren auch in der politischen Werbung zum Thema geworden sind: Zwischen dem 27. Juli und dem 24. Oktober flossen in den USA knapp 12 Millionen US-Dollar in politische Anzeigen auf Facebook und Instagram, die Rechenzentren erwähnten. Das ist eine Kennzahl zur Werbung, keine Umfrage unter Wählern.

Was die Executive Order pausiert

Englischsprachiges ABC-News-Interview: Kathy Hochul erläutert die Executive Order und nennt die 50-MW-Schwelle

Die Order richtet sich auf neue Hyperscale-Projekte. Das Department of Environmental Conservation (DEC), New Yorks Umweltbehörde, soll während der Prüfung keine Ermessensgenehmigungen für Anträge erteilen, die noch nicht als vollständig eingestuft waren. Die Ausnahme für bereits vollständige Anträge ist praktisch wichtig: Die Maßnahme stoppt nicht pauschal jedes laufende Genehmigungsverfahren.

Das Department of Public Service (DPS) soll eine übergreifende Umweltprüfung, das Generic Environmental Impact Statement (GEIS), vorbereiten. Sie soll unter anderem Strombedarf, Wasserverbrauch und Wasserqualität sowie die Luftqualität untersuchen. Die Pause dauert laut Mitteilung des Büros der Gouverneurin höchstens ein Jahr und endet, sobald die Standards fertiggestellt sind. Empire State Development erhielt den Auftrag, binnen 60 Tagen einen Rahmen für kommunale Investitionen zu veröffentlichen, der lokale Verhandlungen über Vorteile wie Infrastruktur, Kinderbetreuung, Einstellungen vor Ort und berufliche Qualifizierung unterstützen soll.

Hochul nannte in einem englischsprachigen Interview mit ABC News eine Schwelle von 50 Megawatt (MW) für die von der Order erfassten Großanlagen. Kleinere Forschungs- und Hochschulstandorte ordnete sie darunter ein.

Die Order begründet Hochul mit dem wachsenden Strombedarf und möglichen Belastungen für Versorgung, Netze und lokale Ressourcen. Ihr Ziel ist, die Auswirkungen zu prüfen und Regeln für neue Großprojekte vorzubereiten.

Zwei getrennte Maßnahmen, zwei berichtete Schwellen

Neben der Executive Order verabschiedete die New Yorker Legislative im Juni 2026 einen eigenen Gesetzentwurf für ein einjähriges Moratorium. Reuters berichtete für diese Vorlage von einer Schwelle von mehr als 20 MW Verbrauch. Die niedrigere Schwelle gehört zum Gesetzesentwurf, nicht zu Hochuls Executive Order.

MaßnahmeBerichtete SchwelleMechanismus und Laufzeit
Executive Order No. 6250 MW, von Hochul im Interview genannte SchwellePause bestimmter Ermessensgenehmigungen für neue Hyperscale-Projekte, bis zu einem Jahr oder bis zur Fertigstellung der Standards
Gesetzentwurf der LegislativeMehr als 20 MW, laut Reuters-BerichtEigenständiges, auf ein Jahr angelegtes Moratorium; im Juni 2026 verabschiedet

Die beiden Ansätze setzen an unterschiedlichen Punkten an: Die Order hält bestimmte staatliche Umweltgenehmigungen zurück, während der Gesetzentwurf eine separate gesetzliche Maßnahme vorsieht. Für mögliche Verzögerungen bei der Rechenzentrumskapazität durch Moratorien in den USA hat NeoTeo bereits eine eigene Analyse veröffentlicht.

Warum der Streit vor Ort weitergeht

Die Pause beantwortet nicht automatisch, welche Projekte Gemeinden künftig akzeptieren. WIRED berichtete am 1. November, dass die Organisatorin Adrienne Yocina seit zwei Jahren gegen ein geplantes Rechenzentrum mit 600 MW im Westen von Genesee County mobilisierte. Der vorgeschlagene Standort liegt nahe dem Reservat der Tonawanda Seneca Nation und einem bundesstaatlichen Wildtierrefugium. Yocinas Gruppe prüfte laut dem Bericht auch alternative Nutzungen für das Gelände.

Der Streit dreht sich damit um konkrete Standortentscheidungen und die Bedingungen, unter denen Gemeinden neue Projekte hinnehmen würden. Hochuls Order beauftragte Empire State Development mit einem Rahmen für kommunale Verhandlungen über mögliche Vorteile; das ist ein Auftrag, kein bereits erzieltes Ergebnis.

Was Umfragen und Anzeigen tatsächlich messen

Zwei im September veröffentlichte Umfragen erfassten unterschiedliche politische Einschätzungen. In einer Siena-Umfrage unter wahrscheinlichen Wählern sprachen sich 63 Prozent dagegen aus, nach Ablauf des Moratoriums ein großes Rechenzentrum in ihrer Region zu errichten. Unter den Demokraten in New York lag der Anteil bei 75 Prozent. Die Befragung wurde vom 11. bis 17. September durchgeführt.

Eine Quinnipiac-Umfrage, erhoben vom 17. bis 20. September, fragte danach, wem die Befragten den besseren Umgang mit KI-Rechenzentren zutrauten: 53 Prozent nannten Hochul, 31 Prozent ihren republikanischen Herausforderer Bruce Blakeman. Das ist ein Vergleich des Vertrauens in zwei Kandidaten, keine Abstimmung über die Executive Order.

Pew wertete dagegen Anzeigen aus. Im Oktober nahmen 57 Prozent der untersuchten politischen Anzeigen, die Rechenzentren erwähnten, eine ablehnende Haltung ein; 3 Prozent äußerten sich zustimmend. Die Auswertung umfasst Anzeigen auf Facebook und Instagram in den USA. Die fast 12 Millionen US-Dollar beziehen sich auf deren Werbeausgaben vom 27. Juli bis zum 24. Oktober 2026, nicht auf die Meinung von New Yorker Wählern.

Ein bestehendes Rechenzentrum in Manhattan

Digital Realty führt sein Rechenzentrum JFK12 an der 60 Hudson Street in Manhattan. Die Standortseite des Betreibers beschreibt eine bestehende Anlage. Hochuls Order betrifft neue Hyperscale-Entwicklung, nicht den Betrieb dieses bereits bestehenden Standorts.