OpenAI schrieb am 26. Oktober 2026 seinen internen Modellen drei wissenschaftliche Ergebnisse zu: eine mathematische Behauptung zur lokalen Glättung, eine Widerlegung der Exponentialzeithypothese und Existenzresultate aus der theoretischen Physik. Für jedes Fach kündigte das Unternehmen einen anderen Weg zur Veröffentlichung und Prüfung an. OpenAIs Ankündigung beschreibt die Ergebnisse als Arbeit seiner Modelle.

Drei Bereiche, unterschiedliche Prüfwege

OpenAI ordnete die Behauptungen drei getrennten Arbeitssträngen zu. Auch die Veröffentlichung sollte je nach Fach anders ablaufen:

FachgebietWas OpenAI behauptetAngekündigter Umgang mit den Ergebnissen
MathematikBeweis der lokalen Glättungsvermutung in allen Dimensionen, mit Folgen für die Kakeya- und die Stein-RestriktionsvermutungAusgabe und Lean-Beweis wurden zur öffentlichen Prüfung freigegeben.
Theoretische InformatikWiderlegung der Exponentialzeithypothese (ETH) zur Komplexität der Erfüllbarkeit boolescher FormelnNatürlichsprachlicher Beweis und Lean-Formalisierung wurden veröffentlicht; eine externe Gruppe sollte das Ergebnis erklären und untersuchen.
PhysikExistenz bestimmter Quantenfeldtheorien, darunter QCD, sowie der reinen Yang-Mills-TheorieDie Physikgruppe hielt die KI-Artefakte für einen eigenen Bericht zurück.

Mathematik: lokale Glättung, Kakeya und Stein

OpenAI zufolge beweisen die Modelle die lokale Glättungsvermutung in jeder Dimension. Das Unternehmen sagt, daraus folgten auch die Kakeya- und die Stein-Restriktionsvermutung in allen Dimensionen. Die lokale Glättungsvermutung stellte Christopher Sogge 1991 auf. Als Grundlage der behaupteten Lösung nennt OpenAI eine neuartige Hilfsgleichung in Form einer partiellen Differentialgleichung.

OpenAI datierte die Modellausgabe auf den 18. Oktober 2026 und ihre Formalisierung in Lean auf den 19. Oktober. Lean ist ein interaktiver Beweisassistent, mit dem sich mathematische Beweise formal ausdrücken lassen. NeoTeo berichtete zuvor über OpenAIs geplanten GitHub-Release mit Hunderten mathematischen Ergebnissen; der frühere Bericht behandelte eine separate Ankündigung.

ETH ist nicht dasselbe wie P = NP

OpenAI zufolge widerlegte sein System die Exponentialzeithypothese, kurz ETH. Sie betrifft die Frage, wie aufwendig es ist, die Erfüllbarkeit boolescher Formeln zu berechnen, und steht in Beziehung zum Problem P versus NP. OpenAI datierte die natürlichsprachliche Widerlegung auf den 16. Oktober und ihre Formalisierung in Lean auf den 17. Oktober.

Die Behauptung über ETH ist keine Behauptung, P = NP sei bewiesen. Sie bedeutet auch nicht, dass Programme dadurch unmittelbar schneller laufen. OpenAI erklärte, dass es erhebliche weitere Forschung brauche, um aus dem theoretischen Ergebnis bessere Algorithmen und praktische Verbesserungen abzuleiten.

Was die Physikbehauptung umfasst

OpenAI beschreibt einen Existenzbeweis für bestimmte wechselwirkende Quantenfeldtheorien in vier Dimensionen, die Eichfelder und Fermionen enthalten. Dazu zählt das Unternehmen die Quantenchromodynamik (QCD) und eine vereinheitlichte Ergänzung des Standardmodells. Der Arbeitsstrang umfasse außerdem einen Existenzbeweis für die reine Yang-Mills-Theorie.

Die Yang-Mills-Preisaufgabe des Clay Mathematics Institute verlangt neben der Existenz der Theorie auch den Nachweis einer Masselücke. OpenAIs beschriebener Existenzbeweis deckt diesen zweiten Teil nicht ab; er löst die Preisaufgabe daher nicht vollständig. Das Clay Mathematics Institute erläutert die Aufgabe.

Wer die Prüfung begleiten sollte

Für die ETH-Arbeit benannte OpenAI Russell Impagliazzo und Ramamohan Paturi von der University of California, San Diego, sowie Ryan Williams vom MIT als Leiter der externen Gruppe. Die Physikgruppe sollte David Gross leiten; ihr gehörten außerdem Michael Douglas, Arthur Jaffe, Igor Klebanov und Nikita Nekrasov an.

OpenAI erklärte, die Beteiligung sei freiwillig und unbezahlt. Die Fachleute sollten unabhängig arbeiten und ihre Einschätzungen veröffentlichen können. Für die Mathematik gab das Unternehmen die Modellausgabe zur eigenen Auswertung frei, während die Informatikgruppe einen externen Erklärungs- und Prüfprozess erhielt. In der Physik entschied sich die Gruppe laut Ankündigung dafür, die KI-Artefakte während der Vorbereitung eines eigenen Berichts zurückzuhalten.