PLD Space hat das frühere Projekt MIURA 5 Block 1.2 in MIURA 9 umbenannt. Der geplante zweistufige Launcher soll 42 Meter hoch und 3 Meter breit sein und bis zu 1.500 Kilogramm in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 500 Kilometern Höhe bringen. Die propulsive Landung und Wiederverwendung der ersten Stufe gehören zum Entwicklungsziel – demonstriert wurde das bei MIURA 9 noch nicht.

Warum PLD Space das Projekt umbenannt hat

MIURA 9 ist die neue Bezeichnung für die größere Entwicklung, die zuvor als MIURA 5 Block 1.2 präsentiert wurde. Damit erhält der Launcher eine eigene Position innerhalb der MIURA-Familie und soll mittelgroße Satelliten sowie Satellitenkonstellationen ins All bringen.

Wichtig ist die Einordnung: Die Präsentation von MIURA 9 war eine Vorstellung eines Entwicklungsprojekts, kein Start und kein Flugtest. Der Name beschreibt also ein Programm mit klaren Zielwerten – noch keine bewährte Rakete im kommerziellen Betrieb.

Die geplante Architektur von MIURA 9

PLD Space nennt seinen größeren Launcher jetzt MIURA 9

PLD Space beschreibt MIURA 9 als zweistufigen Launcher. Die erste Stufe soll 25,5 Meter lang sein und neun TEPREL-Triebwerke nutzen. Für die 16,5 Meter lange zweite Stufe ist ein TEPREL Vacuum vorgesehen.

MerkmalMIURA 9
BauweiseZweistufiger Launcher
Höhe42 m
Durchmesser3 m
Erste Stufe25,5 m; 9 TEPREL-Triebwerke
Zweite Stufe16,5 m; 1 TEPREL Vacuum
ZielnutzlastBis zu 1.500 kg in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 500 km Höhe

Die Nutzlastangabe ist an eine konkrete Umlaufbahn gebunden. „Bis zu 1.500 Kilogramm“ bedeutet hier nicht eine allgemein gültige Tragfähigkeit für jeden Flug, sondern den von PLD Space genannten Zielwert für eine 500 Kilometer hohe sonnensynchrone Umlaufbahn.

Wiederverwendung steht im Konzept – nicht im Flugnachweis

Archivaufnahmen des suborbitalen MIURA-1-Testflugs mit Aufstieg und Fallschirmabstieg

PLD Space plant für MIURA 9 eine propulsive Rückkehr und Landung der ersten Stufe. Dabei soll die Stufe mit eigenem Antrieb kontrolliert zur Erde zurückkehren. Das Unternehmen beschreibt diese Architektur als Möglichkeit, Betriebskosten zu senken und die Startfrequenz zu erhöhen.

Das ist ein Entwicklungsziel, keine bereits bewiesene Fähigkeit. Für MIURA 9 ist weder ein Flug noch eine Rückkehr, Inspektion oder Wiederverwendung einer Stufe dokumentiert. Ein Konzeptbild kann die vorgesehene Architektur zeigen, aber keinen Start und keine Landung ersetzen.

Die frühere MIURA 1 liefert immerhin einen wichtigen Baustein in der Entwicklungsgeschichte von PLD Space. Der suborbitale Demonstrator startete 2023, absolvierte seinen Flug und setzte beim Abstieg einen Fallschirm ein. Diese Erfahrung gehört jedoch zu MIURA 1 – sie beweist nicht, dass MIURA 9 bereits fliegen oder propulsiv landen kann.

Der nächste genannte Meilenstein betrifft MIURA 5

Für MIURA 5 war ein erster Demonstrationsflug in der ersten Hälfte von 2027 vorgesehen. Das ist ein eigener, zeitlich näher liegender Meilenstein und kein MIURA-9-Start. MIURA 5 und MIURA 9 stehen zwar in derselben Entwicklungslinie, sind aber nicht dasselbe Fluggerät.

Diese Trennung verhindert einen häufigen Kurzschluss: Ein Testflug von MIURA 5 wäre kein Nachweis dafür, dass die größere MIURA 9 ihre geplante Architektur bereits orbital oder bei einer Landung bewältigt hat.

Warum das Projekt für Europa interessant ist

MIURA 9 ist Teil des europäischen Ringens um zusätzliche kommerzielle Startmöglichkeiten für Satelliten und Konstellationen. PLD Space ist außerdem mit dem European Launcher Challenge der Europäischen Weltraumorganisation verbunden. Die dabei genannte Summe von 158,9 Millionen Euro bezeichnet den institutionellen Vertragskontext dieses Programms – nicht den Preis eines MIURA-9-Starts.

Für Betreiber wäre am Ende weniger das Etikett „wiederverwendbar“ entscheidend als ein belastbarer Ablauf: Start, kontrollierte Rückkehr, Inspektion, Aufarbeitung und ein weiterer Flug. Erst eine solche Kette würde zeigen, dass aus der geplanten Wiederverwendung ein regelmäßig nutzbarer Dienst werden kann.

Was bei MIURA 9 als echter Fortschritt zählen würde

Die aussagekräftigen nächsten Schritte wären daher:

  • ein Flug von MIURA 9,
  • eine kontrollierte Rückkehr der ersten Stufe,
  • die Untersuchung und Aufarbeitung der geborgenen Stufe,
  • ein weiterer Flug mit wiederverwendeter Hardware.

Bis dahin bleibt MIURA 9 ein ambitionierter, größerer zweistufiger Launcher mit klar benannten Zielwerten. Die entscheidende Nachricht lautet nicht, dass die Rakete bereits wiederverwendbar arbeitet, sondern dass PLD Space dieses Ziel für die nächste Entwicklungsstufe festlegt – und die dafür nötigen Nachweise noch ausstehen.