CERN schätzt den gesellschaftlichen Nutzen des HL-LHC auf rund 1,8 Schweizer Franken je investiertem Franken. Das ist ein modellierter Zusatznutzen gegenüber einem Large Hadron Collider (LHC) ohne Hochluminositäts-Ausbau, kein kommerzieller Erlös für CERN. Der HL-LHC ist die Aufrüstung des bestehenden Beschleunigers.

Was das Gegenmodell annimmt

Für den Vergleich nimmt die Analyse an, dass der bestehende LHC ohne Ausbau bei gewöhnlicher Wartung etwa bis 2030 weiterläuft und dann keine Daten mehr aufnimmt. In diesem Szenario werden Beschäftigte anderweitig eingesetzt und der Tunnel gesichert, aber nicht weiter genutzt. Dem HL-LHC werden nur die Unterschiede zu dieser Alternative als zusätzlicher Nutzen zugerechnet.

Der Eigenwert künftiger wissenschaftlicher Entdeckungen bleibt außen vor. CERN begründet das damit, dass sich deren Wahrscheinlichkeit und Geldwert nicht belastbar im Voraus beziffern lassen. Die Schätzung umfasst stattdessen messbare gesellschaftliche und wirtschaftliche Effekte.

Wie die Nutzenkanäle bewertet werden

Den größten Anteil macht die Ausbildung junger Forschender aus: Sie steht für geschätzte 40,3 Prozent des zusätzlichen Nutzens. Bewertet wird sie anhand des erwarteten Lebenseinkommens im Vergleich zu ähnlichen Forschenden ohne Ausbildung bei CERN. Industrieeffekte und frei verfügbare Software kommen zusammen auf 37,7 Prozent.

NutzenkanalAnteil am geschätzten ZusatznutzenBewertungsansatz
Ausbildung von Forschenden40,3 %Geschätzter lebenslanger Einkommensvorsprung gegenüber vergleichbaren Personen ohne Ausbildung bei CERN
Industrieeffekte und frei verfügbare Software37,7 % zusammenGemeinsamer Anteil; für Lieferanteneffekte flossen unter anderem Unternehmensdaten, eine Befragung von mehr als 650 Zulieferern und Fallstudien ein
Öffentlicher Nutzen10,7 %Umfragen zur Zahlungsbereitschaft von Steuerzahlenden
Kulturelle Teilhabe5,7 %Besuche und Öffentlichkeitsarbeit
Wissenschaftliche Veröffentlichungen5,6 %Beobachtbare Nutzung und Zitationen, nicht der Eigenwert neuer Entdeckungen

Die Lieferanteneffekte sind ebenfalls ein geschätzter Spillover, also ein Nutzen über CERNs eigene Ausgaben hinaus. Für jeden Franken an Hightech-Beschaffung veranschlagt die Analyse rund drei Franken zusätzlichen Umsatz oder eingesparte Kosten bei Zulieferern. Das ist eine eigene Schätzung für Lieferanten und nicht dasselbe wie das Verhältnis von 1,8 Franken gesellschaftlichem Nutzen je investiertem Franken.

Was die Simulationen aussagen

CERN ließ 15 unsichere Variablen in 50.000 Monte-Carlo-Simulationen durchspielen. In 94 Prozent der Läufe war der Nettobarwert positiv. Der Nettobarwert (NPV) ist der abgezinste Wert der erwarteten Vorteile abzüglich der Kosten. Die 94 Prozent beschreiben den Anteil positiver Ergebnisse innerhalb dieses Modells und seiner Annahmen.

Eine separate, pessimistische Kostenvariante kam laut der detaillierten Einordnung der Auswertung auf rund 80 Prozent positive Nettobarwerte. Dieser Wert gehört zum Szenario mit höheren Gesamtkosten, nicht zum Hauptergebnis von 94 Prozent. Bei fest angesetzten Bestwerten lag der Nettobarwert bei 3,3 Milliarden CHF; die Hälfte der Simulationen lag über 5,3 Milliarden CHF. Beide Beträge sind in Preisen von 2016 angegeben und modellierte Werte.

Zeitraum und Rechengrundlage

Die Auswertung erfasst den Zeitraum von 1993 bis 2038, rechnet mit konstanten Schweizer Franken zu Preisen von 2016 und verwendet einen Abzinsungssatz von 3 Prozent. Dieser Satz entspricht der Empfehlung der Europäischen Kommission für öffentliche Projekte. Die Angabe 2038 war die damals erwartete Laufzeit des Betriebs; in einer späteren Planung wurde das erwartete Betriebsende auf 2041 angesetzt.