Am 8. September 2026 reichten vier ehemalige Amazon-Beschäftigte beim US-Bundesbezirksgericht für den östlichen Bezirk von New York eine geplante landesweite Sammelklage ein. Sie werfen Amazon vor, grundlegende Anpassungen für schwangere Beschäftigte eingeschränkt oder verweigert, für einfache Anträge medizinische Unterlagen verlangt und Fehlzeiten mit Disziplinarmaßnahmen bis hin zur Kündigung geahndet zu haben. Die Vorwürfe sind nicht gerichtlich entschieden.
Amazon-Arbeiter klagen wegen Toilettenpausen, Sitzen und Hebebelastungen
Die benannten Kläger sind Willamina Barclay, Kristina Green, Jennifer Hatch und Dazaria Parks. Die geplante Klage soll Amazon-Beschäftigte in den gesamten USA vertreten und außerdem eine Untergruppe in New York erfassen.
Nach Darstellung der Kläger geht es unter anderem um zusätzliche Toiletten-, Wasser- und Essenspausen, die Möglichkeit zu sitzen oder einen Stuhl zu nutzen, geringere Hebebelastungen, kürzere Schichten und angepasste Tätigkeiten. Sie behaupten außerdem, medizinische Nachweise seien auch für einfache schwangerschaftsbezogene Anträge verlangt worden.
Die Klage verbindet diese Vorwürfe mit Amazons Arbeitszeit- und Anwesenheitsregeln. Nach Darstellung der Kläger wurden medizinisch notwendige Abwesenheiten vom begrenzten Kontingent unbezahlter Freistellung abgezogen; außerdem hätten Zeitvorgaben und Anwesenheitsstrafen zu Disziplinarmaßnahmen oder Kündigungen geführt.
Welche Anpassungen für Schwangere sind betroffen?
Die Vorwürfe betreffen keine einzelne Leistung, sondern mehrere alltägliche Arbeitsbedingungen in Lager- und anderen körperlich belastenden Tätigkeiten. Genannt werden:
- zusätzliche Toilettenpausen,
- Wasser sowie Essens- und Trinkpausen,
- Sitzen oder die Nutzung eines Stuhls,
- Beschränkungen beim Heben,
- kürzere Schichten und veränderte Aufgaben,
- medizinisch notwendige Abwesenheiten.
Die US-Kommission für die Gleichbehandlung im Arbeitsleben, die U.S. Equal Employment Opportunity Commission (EEOC), nennt in ihrer am 19. April 2024 veröffentlichten Leitlinie Wasser, zusätzliche Toilettenpausen, Essens- und Trinkpausen sowie Sitzen als typische Anpassungen, für die unterstützende medizinische Unterlagen im Allgemeinen nicht angemessen seien. Die Leitlinie bezieht sich auf einen begrenzten Kreis regelmäßig verlangter Anpassungen während einer unkomplizierten Schwangerschaft.
Warum der Pregnant Workers Fairness Act wichtig ist
Der Pregnant Workers Fairness Act (PWFA) verpflichtet Arbeitgeber in den USA grundsätzlich zu angemessenen Anpassungen für qualifizierte Beschäftigte, die von Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit oder damit verbundenen medizinischen Umständen betroffen sind. Eine Ausnahme kann bei einer unverhältnismäßigen Belastung des Arbeitgebers greifen.
Die rechtliche Auseinandersetzung dreht sich deshalb auch darum, ob Amazons konkrete Anforderungen mit diesen Vorgaben vereinbar waren. Die Kläger behaupten, das Unternehmen habe routinemäßige Anträge unnötig erschwert und Beschäftigte wegen der damit verbundenen Fehlzeiten benachteiligt.
Gemeldete EEOC-Entscheidung und separates Verfahren in New Jersey
Im Februar 2026 soll die EEOC einen hinreichenden Grund dafür festgestellt haben, dass Amazon eine landesweite Gruppe von Lagerbeschäftigten wegen ihrer Schwangerschaft diskriminiert habe. Die gemeldete behördliche Einschätzung betrifft Vorwürfe nach dem PWFA und ist keine gerichtliche Haftungsentscheidung.
Daneben kündigten der Generalstaatsanwalt von New Jersey, Matthew J. Platkin, und die New Jersey Division on Civil Rights am 22. Oktober 2025 eine separate Beschwerde gegen Amazon an. Sie betrifft Amazon-Lager in New Jersey und wirft dem Unternehmen unter anderem unbezahlte Freistellungen während laufender Anträge, verzögerte oder verweigerte Anpassungen, Vergeltungsmaßnahmen und eine starre Anwendung von Produktivitätskennzahlen vor.
| Verfahren | Räumlicher Umfang | Rechtlicher Rahmen | Vorgeworfene Handlungen |
| Geplante Bundes-Sammelklage | USA; zusätzlich wird eine New Yorker Untergruppe genannt | Pregnant Workers Fairness Act | Einschränkungen bei Pausen, Sitzen und Hebebelastungen; medizinische Nachweise; Anwesenheitsstrafen und Kündigungen |
| Beschwerde in New Jersey | Amazon-Lager in New Jersey | New Jersey Law Against Discrimination | Unbezahlte Freistellung, verzögerte oder verweigerte Anpassungen, Vergeltung und starre Produktivitätsvorgaben |
Amazons Antwort auf die Vorwürfe
Amazon weist ein Fehlverhalten zurück und erklärte, die Klage enthalte Ungenauigkeiten und lasse wichtige Umstände aus. Das Unternehmen erklärte außerdem, seine Richtlinien entsprächen dem PWFA, und gab an, im maßgeblichen Jahr seien mehr als 99,9 Prozent der Anträge auf schwangerschaftsbezogene Anpassungen genehmigt worden.
Amazon erklärte weiter, jedes Jahr Zehntausende Beschäftigte mit Schwangerschafts-Anpassungen zu unterstützen. Für berechtigte Eltern, die ein Kind gebären, nennt das Unternehmen bis zu 20 Wochen vollständig bezahlte Freistellung, darunter vier Wochen vor der Geburt sowie ein Programm für die schrittweise Rückkehr zur Arbeit.
Die Bundesklage wurde am 8. September 2026 eingereicht; ob das Gericht die beantragte Gruppe als Sammelklage zulässt, ist damit nicht entschieden.