Anthropic reichte am 26. Oktober 2026 öffentlich ein vorläufiges Form S-1 für einen geplanten Börsengang ein. Das Unternehmen beantragte eine Notierung seiner Class-A-Aktien am Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT. Die Registrierung ist noch nicht wirksam; Aktien dürfen erst danach verkauft werden. Aktienzahl und Preisspanne stehen noch nicht fest.
Zur Vorgeschichte gehört die damalige Berichterstattung über eine mögliche Verschiebung auf November: NeoTeo hatte über den möglichen Zeitplan und den vertraulichen S-1-Entwurf berichtet. Der öffentliche Antrag vom 26. Oktober legt nun den formellen Stand und Finanzdaten offen.
Was das öffentliche S-1 bedeutet
Ein Form S-1 ist die Registrierungserklärung, mit der ein Unternehmen in den USA einen geplanten Börsengang bei der Securities and Exchange Commission (SEC) anmeldet. Anthropic will Class-A-Stammaktien ausgeben und an der Nasdaq notieren lassen. Die Mitteilung von Anthropic nennt ANT als vorgesehenes Kürzel; der vorläufige SEC-Prospekt hält fest, dass die Registrierung noch nicht wirksam ist und ein Verkauf der Aktien erst danach zulässig ist.
Was Anthropics Halbjahreszahlen aussagen
Für die sechs Monate bis zum 30. Juni 2026 weist Anthropic einen Umsatz von 16,286 Milliarden US-Dollar und einen GAAP-Nettoverlust von 80,748 Milliarden US-Dollar aus. GAAP bezeichnet die in den USA geltenden Rechnungslegungsgrundsätze. Der Umsatz stieg laut S-1 gegenüber 1,163 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum um 1.300 Prozent.
| Kennzahl | Betrag | Zeitraum und Grundlage |
| Umsatz | 16,286 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026, GAAP |
| Nettoverlust | 80,748 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026, GAAP |
| Veränderung des Fair Value von Wandelanleihen, derivativen Verbindlichkeiten und SAFEs | 72,388 Mrd. US-Dollar Verlust | Sechs Monate bis 30. Juni 2026 |
| Betriebsverlust | 693 Mio. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026, GAAP |
| Bereinigtes Betriebsergebnis | 1,618 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026, nicht GAAP |
| Bereinigter Nettogewinn | 2,671 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026, nicht GAAP |
| Netto-Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit | +3,929 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026 |
| Netto-Cashflow aus Investitionstätigkeit | −17,181 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026 |
| Netto-Cashflow aus Finanzierungstätigkeit | +110,774 Mrd. US-Dollar | Sechs Monate bis 30. Juni 2026 |
Der Fair-Value-Posten erfasst Wertänderungen bei Wandelanleihen, derivativen Verbindlichkeiten und Vereinbarungen über künftige Eigenkapitalanteile, sogenannten SAFEs. Anthropic führt den Anstieg vor allem auf höhere Unternehmensbewertungen und damit verbundene Wertänderungen der ausstehenden Wandelanleihen zurück. Der GAAP-Nettoverlust ist eine Ergebnisgröße; der separate Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit lag im selben Halbjahr bei plus 3,929 Milliarden US-Dollar.
Die bereinigten Ergebnisse folgen einer nicht GAAP-basierten Berechnung, bei der bestimmte Kosten und Wertänderungen ausgeklammert werden. Sie stehen deshalb neben den GAAP-Zahlen und ersetzen sie nicht. Auch die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur beziehen sich auf klar getrennte Zeiträume: Im ersten Halbjahr beliefen sie sich auf 8,945 Milliarden US-Dollar, im zweiten Quartal allein auf 5,558 Milliarden US-Dollar.
WSJ-Reporterin Anissa Gardizy erläutert im englischsprachigen Video Umsatzentwicklung, Rechenkosten, den buchhalterischen Einfluss von Wertänderungen und Risiken rund um Infrastruktur und KI-Sicherheit.
Die Rechenverträge unterscheiden sich nach Art und Laufzeit
Der Prospekt nennt Vereinbarungen mit verschiedenen Laufzeiten und Bedingungen. Die Beträge sind daher keine einheitliche, direkt addierbare Gesamtsumme.
| Vertragspartner | Art der Vereinbarung | Betrag | Laufzeit und Bedingungen |
| Microsoft | Rechenkapazität | Mindestens 44,9 Mrd. US-Dollar | November 2026 bis Mai 2033; vertragliche Ausnahmen gelten |
| Rechenkapazität | Mindestens 114,5 Mrd. US-Dollar | April 2026 bis Juli 2033 | |
| Geschätzte zusätzliche TPU-Rechenkapazität | 125 bis 150 Mrd. US-Dollar | Zusätzliche Schätzung, nicht Teil der Vertragstabelle | |
| Amazon | Rechenkapazität | Mindestens 110 Mrd. US-Dollar | Mai 2026 bis April 2036; vertragliche Ausnahmen gelten |
| SpaceXAI | Rechenkapazität | Bis zu 120,5 Mrd. US-Dollar | Laufzeiten reichen bis 2029; Ausgaben hängen von der bereitgestellten Kapazität ab |
| Broadcom | Leasing von Infrastrukturtechnik | Rund 161,2 Mrd. US-Dollar, ohne Zinsen | Fünf Jahre; Zahlungen beginnen grundsätzlich, wenn die Geräte einsatzbereit sind |
Die Google-Schätzung für zusätzliche TPU-Kapazität ist von der ausgewiesenen Mindestverpflichtung getrennt. Auch Broadcoms Betrag betrifft Leasing und nicht dieselbe Art von Rechenvertrag wie die Vereinbarungen mit Cloud- und Rechenanbietern.
Wie die vorgeschlagene Stimmrechtsstruktur aussieht
Nach dem Vorschlag soll die von den sieben Mitgründern organisierte Founder LLC eine einzelne Class-F-Aktie halten. Diese Aktie soll bei allgemeinen Aktionärsangelegenheiten 50,1 Prozent der Stimmrechte bündeln. Für Class-A-Aktien ist jeweils eine Stimme vorgesehen.
Der Long-Term Benefit Trust soll über die Class-T-Aktien grundsätzlich die Class-T-Direktorinnen und -Direktoren wählen und abberufen können. Sie sollen zusammen eine Mehrheit des Verwaltungsrats bilden. Die vorgesehene Struktur verteilt damit die allgemeine Stimmrechtsmehrheit und die Besetzung der Board-Mehrheit auf unterschiedliche Organe.