Die Bambu Lab H3C passt zu Makern, die oft mehrere Materialien oder Farben in einem Druck kombinieren und sehr weiches TPU verarbeiten wollen. Ihre neun Werkzeuge halten verschiedene Filamente bereit; die berichteten Tests zeigen aber auch, wie stark Druckdauer und Spülreste vom jeweiligen Auftrag abhängen. Bei einer TPU-Zuführung führte eine bestimmte Spulenkonfiguration zudem zu Druckpausen.

Was neun Werkzeuge im Druck verändern

Die H3C arbeitet mit neun unabhängig bestückten Werkzeugen: In der beschriebenen Standardkonfiguration sind acht für 1,75-mm-Filament und eines für 2,85-mm-Filament ausgelegt. Für Letzteres braucht es ein eigenes Werkzeug. So können mehrere Materialien im selben Auftrag bereitstehen, ohne dass bei jedem Wechsel Filament aus einem einzelnen Werkzeug gezogen und neu geladen werden muss.

Das AMS 3H mit neun Spulenplätzen sitzt fest oben auf dem Drucker. Zwei Plätze gehören zur beheizten Trockenkammer, die bis zu 85 °C erreicht; sieben Plätze haben einen TPU-Bypass. Bambu Lab gibt ein nutzbares Bauvolumen von 330 × 320 × 325 mm und eine maximale Düsentemperatur von 350 °C an. Der aktiv beheizte Bauraum erreicht laut Hersteller bis zu 65 °C. Bambu Lab führt die technischen Angaben zur H3C auf seiner Produktseite auf.

Wechselzeit und Spülreste hängen vom Auftrag ab

Bambu Lab nennt für den Materialwechsel sechs Sekunden und 38 mg Spülmaterial pro Wechsel, jeweils unter optimalen internen Testbedingungen. Die 38 mg sind eine Menge pro Wechsel, kein Gesamtwert für einen Druck.

Die von Denise Bertacchi für Tom’s Hardware berichteten Druckjobs liefern die andere Größenordnung: Ein achtfarbiger Drachen brauchte auf der H3C weniger als 24 Stunden und erzeugte 68 g Spülmaterial. Gedruckt wurde mit 0,2-mm-Schichten und durchschnittlich 140 mm/s. Bei einem separaten neunteiligen Farbauftrag mit Princess Donut und Mongo dauerte der Druck 15 Stunden und 12 Minuten; im Spülturm landeten 152,6 g Material. Dieser Job lief mit 0,2-mm-Schichten und Standardeinstellungen.

Stefan Hermann von CNC Kitchen beobachtete typischerweise sechs bis sieben Sekunden für einen Werkzeugwechsel, wenn das nächste Werkzeug nur vorbereitet wurde. Musste es zusätzlich die Außenkontur des Prime-Towers drucken, dauerte der Wechsel etwas mehr als zehn Sekunden. Hermanns Einschätzung nach fast 400 Stunden Einsatz: Bei typischen Drucken liege der reale Geschwindigkeitsgewinn gegenüber H2C und H2D meist bei etwa 10 Prozent, weil viele Aufträge durch den möglichen Materialdurchfluss begrenzt werden.

TPU: sehr weich, aber nicht immer ohne Pause

Englischsprachiges Video von LayerLabs media mit Werkzeugwechseln, Farbverläufen, Testdrucken und TPU-Handhabung. Der Creator erhielt das Gerät kostenlos von Bambu Lab für Social-Media-Inhalte; Bambu Lab gab das Video frei.

Bambu Lab gibt TPU bis 75A als unterstützt an. CNC Kitchen berichtet, auf dem eigenen Testgerät auch das weichere TPU Recreus 60A mit 10 mm³/s gedruckt zu haben. Bei einer vollen Spule mit 90A-TPU baute sich laut dem Tester in der Bypass-Zuführung so viel Zug auf, dass Filament aus dem Schmelzbereich eines geparkten Werkzeugs gezogen wurde. Die Maschine erkannte das Problem und pausierte; bei einer teilweise geleerten Spule trat es in diesem Test nicht mehr auf.

Auch sehr lange TPU-Aufträge wurden berichtet. Davide Sher von VoxelMatters zufolge lief ein TPU- und PLA-Druck eines Schuhmodells fast 80 Stunden ohne Unterbrechung. Ein Reddit-Betatester bezifferte die Materialkosten für zwei andere Schuhe auf 45,24 €: 908,68 g 2,85-mm-TPU kosteten 28,80 €, 397,10 g 90A-TPU 14,82 € und 178,45 g Stützmaterial aus PLA 1,62 €. Stromkosten waren nicht enthalten; der Tester gab an, dass ein Großeinkauf von PLA den Preis beeinflusste. Der Tester schlüsselte Materialmengen und Kosten für die beiden Schuhe auf Reddit auf.

Höhe und Filamentwechsel verlangen Platz und Handarbeit

Tom’s Hardware nennt für das Gerät 493 × 571 × 1.016 mm und ein Gewicht von 36,28 kg. Als Betriebshöhe führt der Tester 1.306 mm an. Die hinteren Spulenplätze sitzen so hoch, dass eine Trittstufe beim Nachladen hilfreich war.

Auch beim Entladen bleibt Handarbeit: Der AMS-3H-Zuführer zieht Filament nach einem Druck nicht vollständig zurück. Nach dem Entladevorgang muss das verbleibende Stück von Hand herausgezogen werden. Weiches TPU und 2,85-mm-Filament laufen über den Bypass; dafür wird das Filament manuell eingeführt und der normale Bowden-Schlauch umgesetzt und wieder geparkt.

Für ihren Test erhielt Denise Bertacchi von Bambu Lab ein Gerät sowie Zubehör und Filament. Ihr Testgerät lief mit Beta-Firmware. Sie berichtete von einem klickenden Schrittmotor und davon, dass sich bei langen Mehrfarbdrucken ein Werkzeug mit Bowden-Schläuchen verfing und aus seiner Parkposition löste. James Bricknell berichtete bei CNET von umfallenden Stütz- oder Spültürmen bei einigen hohen Drucken, besonders bei 125 Prozent Geschwindigkeit.

Die wichtigsten technischen Daten

MerkmalBambu Lab H3C
Werkzeuge9, standardmäßig 8 für 1,75-mm- und 1 für 2,85-mm-Filament
Nutzbarer Bauraum330 × 320 × 325 mm
FilamentzuführungAMS 3H mit 9 Spulenplätzen; 2 Trocknerplätze bis 85 °C; 7 TPU-Bypassplätze
Maximale Düsentemperatur350 °C
Aktive Bauraumheizungbis 65 °C
Betriebshöhe laut Testbericht1.306 mm

Wer regelmäßig viele Materialien kombiniert oder sehr weiches TPU drucken will, kann die zusätzlichen Werkzeuge im Alltag nutzen. Bei Aufträgen mit höchstens zwei Materialien nennt Tom’s Hardware die H2D als mögliche Alternative; der besondere Nutzen der H3C liegt vor allem in den neun Werkzeugen, den schnellen Wechseln und der TPU-Verarbeitung.