TurboLab.it berichtete am 14. Oktober 2026, die niederländische Steuerverwaltung Belastingdienst habe ihre geplante Migration zu Microsoft 365 abgesagt. Dem Bericht zufolge sollen E-Mail und Kalender 2027 auf intern betriebene Infrastruktur wechseln. Lösungen aus Europa für persönliche Dateiablage und Zusammenarbeit sind für 2027 bis 2028 vorgesehen. TurboLab.it berichtete über die Absage und den gestaffelten Fahrplan.
Ein gestaffelter Wechsel nach Funktionen
Der gemeldete Plan sieht keinen Wechsel zu einer einzigen neuen Komplettlösung vor: E-Mail und Kalender sollen zuerst intern betrieben werden. Für Dateiablage und Zusammenarbeit sind später europäische Open-Source-Lösungen vorgesehen. Bestehende Microsoft-Software und Lizenzen sollen laut TurboLab.it weiter genutzt werden, soweit dies möglich ist.
Das Arbeitsplatzprojekt umfasste die Belastingdienst, den niederländischen Zolldienst Douane und die Leistungsbehörde Dienst Toeslagen. Die Absage betrifft den geplanten Microsoft-365-Rollout dieser Behörden.
Das Gutachten kritisierte auch die Projektsteuerung
Das Adviescollege ICT-toetsing kam in seiner am 29. Juni 2026 veröffentlichten Bewertung zu dem Schluss, dass der geplante Cloud-Arbeitsplatz für die Belastingdienst ungeeignet sei. Es empfahl, den öffentlichen Cloud-Rollout umzukehren und bis Ende 2026 einen Weg zu einer sicheren, zukunftsfähigen Arbeitsumgebung festzulegen. Die Bewertung des Adviescollege ICT-toetsing benannte neben Sicherheits- und Eignungsfragen auch Risiken für die Zukunftsfähigkeit.
Die Kritik betraf ebenso die Führung des Projekts: Der Lenkungskreis entschied auf Grundlage unvollständiger Informationen, Zuständigkeiten zwischen ihm und den Direktionen waren zersplittert, und Ziele blieben unklar. Außerdem fehlte der Bewertung zufolge der ausreichende Überblick über bereits angefallene und künftige Kosten; auch die Risiken wurden nicht angemessen gesteuert. Das Gremium warnte zudem vor einer Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter und Konzentrationsrisiken, falls eine Ausstiegsstrategie nicht praktikabel ist.
Zum Zeitpunkt der Bewertung hatten rund 5.000 Beschäftigte den Microsoft-365-Rollout erhalten. Der geplante Einsatz umfasste Mitarbeitende der Belastingdienst, der Dienst Toeslagen und der Douane.