Am 14. Oktober 2026 veröffentlichte eine Studie in The Planetary Science Journal eine Kartierung von mehr als 10.000 jungen, mit Verwerfungen verbundenen Geländeformen auf dem Mond. Die Studie zu Überschiebungen und zur späten Kontraktion des Mondes wertet dafür Aufnahmen der Lunar Reconnaissance Orbiter Camera (LROC) aus. Ihre Schätzung: Der Mondradius verringerte sich in der späten Phase um etwa 42 bis 46 Meter.
Welche Geländeformen die Studie zählt
Die Kartierung unterscheidet zwei Gruppen: mehr als 8.900 lobate Steilstufen – bogenförmige Geländekanten, die durch Überschiebungen entstehen – und mehr als 2.600 kleine Rücken in den Mondmeeren, sogenannte Small Mare Ridges (SMRs). Die Gesamtzahl beschreibt kartierte Geländeformen.
| Kartierte Geländeform | Anzahl laut Studie | Verbreitung |
| Lobate Steilstufen | mehr als 8.900 | Mondhochland und weitere Regionen |
| Kleine Rücken in den Mondmeeren (SMRs) | mehr als 2.600 | Mondmeere |
Wie LROC die Verwerfungsformen erfasste
Für die Kartierung nutzten die Forschenden Aufnahmen der LROC-Schmalwinkelkamera mit einer Auflösung von 0,5 bis 2 Metern pro Pixel sowie monochrome Mosaike der Weitwinkelkamera mit 100 Metern pro Pixel. Die Erfassung der Steilstufen umfasst rund 127.800 kartierte Segmente; etwa 5.470 Steilstufen sind länger als einen Kilometer.
Die Schmalwinkelkamera deckte innerhalb von 45 Grad beiderseits des Äquators bei optimalem Einfallswinkel mehr als 90 Prozent der Fläche ab. Für mehr als 70 Prozent lagen Aufnahmen mit Beleuchtung aus östlicher und westlicher Richtung vor. Diese unterschiedlichen Blick- und Lichtbedingungen helfen, Geländeformen anhand ihrer Konturen und Schatten zu erfassen.
Was die Kontraktionsschätzung aussagt
Die Studie berechnet eine radiale Kontraktion von etwa 42 bis 46 Metern. Die daraus abgeleitete Rate hängt davon ab, wann die Bildung der Überschiebungen eingesetzt haben soll: Bei einem angenommenen Beginn vor rund 400 Millionen Jahren ergibt das Modell etwa 11 Zentimeter pro Million Jahre. Bei einem Beginn vor rund 800 Millionen Jahren sind es etwa 6 Zentimeter pro Million Jahre.
| Angenommener Beginn der Überschiebungsbildung | Geschätzte Kontraktionsrate |
| Vor rund 400 Millionen Jahren | etwa 11 cm pro Million Jahre |
| Vor rund 800 Millionen Jahren | etwa 6 cm pro Million Jahre |
Welche Hinweise es auf Mondbeben gibt
Die Forschenden verweisen auf eine räumliche Nähe zwischen einem Teil der Steilstufen und früher erfassten flachen Mondbeben: 13 von 28 neu lokalisierten Epizentren lagen höchstens 90 Kilometer von einer lobaten Steilstufe entfernt. Außerdem ordnen sie Hangrutschungen nahe junger Überschiebungen, die in wiederholten LROC-Aufnahmen erkannt wurden, möglichen Erschütterungen durch Verwerfungsbewegungen zu. Die räumlichen und geologischen Befunde stützen damit einen möglichen Zusammenhang zwischen einigen Überschiebungen und seismischer Aktivität auf dem Mond.