Am 3. November argumentierte Reddit vor dem High Court of Australia, Australiens Regeln für Social-Media-Konten von Unter-16-Jährigen schränkten die politische Kommunikation junger Menschen ein. Der Commonwealth verteidigte die Vorschriften mit dem Argument, verbreitete Plattformfunktionen könnten Risiken für Minderjährige verstärken.

Welche Verfassungsfrage der High Court prüft

Der High Court führt das Verfahren als Reddit, Inc. v Commonwealth of Australia & Anor, Aktenzeichen S166/2025. Im Mittelpunkt steht Part 4A des Online Safety Act 2021 (Cth). Die Vorschrift verpflichtet Anbieter bestimmter Arten sozialer Plattformen, angemessene Schritte zu unternehmen, damit Menschen unter 16 Jahren dort keine Konten haben. Die Rechtsfrage lautet, ob Part 4A ganz oder teilweise ungültig ist, weil sie die implizite verfassungsrechtliche Freiheit politischer Kommunikation unzulässig beeinträchtigt. Der Eintrag des High Court führt Verhandlungstage in Canberra am 3. und 4. November 2026 auf.

Die Vorgeschichte des Verfahrens hat NeoTeo bereits in einer Einordnung zu Reddit und Australiens Altersregel beschrieben.

Reddit verweist auf Kontofunktionen und politische Teilhabe

Reddit argumentierte, Jugendliche könnten politische Inhalte auf der Plattform ohne eigenes Konto zwar ansehen, aber nicht veröffentlichen, kommentieren oder positiv bewerten. Damit werde ihre Möglichkeit eingeschränkt, sich an politischen Debatten zu beteiligen. Reddit zählte laut einem Bericht vom 3. November zu den zehn Plattformen, auf die die Altersregel angewandt wurde.

Als Alternativen führte Reddit einen Gesetzentwurf zu einer digitalen Sorgfaltspflicht, Einschränkungen für Push-Benachrichtigungen oder die Nutzungsdauer sowie elterliche Kontrollen für Kinderkonten an. Diese Vorschläge würden an einzelnen Funktionen oder am Umgang mit Konten ansetzen, statt den Zugang zu einem eigenen Konto pauschal über die Altersgrenze zu regeln.

Der Commonwealth hält Plattformfunktionen für ein gemeinsames Risiko

Der Commonwealth argumentierte, automatische Videowiedergabe, Empfehlungen, standardmäßig aktivierte Benachrichtigungen und das Hervorheben beliebter Inhalte seien auf den betroffenen Plattformen weit verbreitet. Zusammengenommen könnten diese Funktionen Risiken für Kinder verstärken. Das war die Position der Regierung in der Anhörung.

Was die gemeldete Kontenzahl umfasst

The Guardian berichtete am 3. November, Plattformen hätten auf zehn Diensten mehr als fünf Millionen Konten gesperrt oder deaktiviert, die sie Menschen unter 16 Jahren zuordneten. Die Zahl bezog sich auf die Zeit seit Inkrafttreten der Regeln im Dezember 2025.