Salesforce hat am 15. September 2026 Koa als sein erstes CRM-Reasoning-Modell für Agentforce vorgestellt. Die Software soll mehrstufige Aufgaben wie das Aktualisieren von Verkaufschancen, die Weiterleitung von Supportfällen, die Planung von Nachfassaktionen und die Auswahl passender Geschäftswerkzeuge bearbeiten. Derzeit läuft Koa in ausgewählten Pilotprojekten; eine allgemeine Verfügbarkeit ist für den Winter 2026 in US-Regionen vorgesehen.

Salesforce Koa ist auf CRM-Abläufe zugeschnitten

Salesforce Koa: CRM-Modell für Agentforce erklärt

Koa ist kein allgemeiner Chatbot mit nachträglich aufgesetztem CRM-Menü. Salesforce hat das Modell für Arbeitsabläufe entwickelt, in denen ein Agent mehrere Schritte koordinieren, Werkzeuge korrekt aufrufen und den Zustand eines Vorgangs aktualisieren muss. In Agentforce lässt sich Koa laut Salesforce im Katalog generativer Modelle von Data Cloud, auf Organisationsebene sowie für einzelne Agenten und Unteragenten auswählen.

Die Aufgaben reichen dabei von der Pflege einer Verkaufschance bis zur Bearbeitung eines Kundenfalls. Koa soll die dafür nötigen Aktionen in der richtigen Reihenfolge ausführen und auch mehrstufige Dialoge berücksichtigen. Salesforce beschreibt das Modell außerdem als Teil der eigenen Infrastruktur und eigenen Vertrauensgrenze.

Nemotron-3-Super-120B und GRPO als Grundlage

Als Ausgangspunkt dient NVIDIA Nemotron-3-Super-120B, ein Open-Weight-Modell mit ungefähr 120 Milliarden Parametern. Salesforce hat dieses Modell für Koa nachtrainiert und dabei Group Relative Policy Optimization (GRPO) eingesetzt. Das Verfahren bewertet mehrere mögliche Aktionsabläufe und verstärkt jene, die eine simulierte Aufgabe mit korrekten Werkzeugaufrufen und erfolgreichen Zustandsänderungen lösen.

Die Trainingsumgebung verwendet laut Salesforce Agent-Script-Spezifikationen, simulierte Personas, Werkzeuge und Aufgaben aus CRM-Abläufen. Bewertet wird nicht nur die Qualität einer Textantwort. Entscheidend sind unter anderem korrekte Tool-Aufrufe, gelöste Aufgaben und die passenden Änderungen im jeweiligen Workflow.

Salesforce zufolge stammen die Trainingsinteraktionen aus öffentlichen und synthetisch erzeugten Daten; Kundendaten seien nicht verwendet worden. Die synthetischen Szenarien decken CRM-Abläufe in mehr als 14 Branchen ab, darunter Finanzdienstleistungen, Fertigung, Gesundheitswesen und Reisen.

Was die veröffentlichten Benchmarks tatsächlich zeigen

In Salesforce' CRM-Bench-Auswertung erreicht Koa einen Gesamtwert von 0,86. Damit liegt das Modell in diesem Vergleich knapp hinter Opus-4.8 mit 0,87 und GPT-5.5 mit 0,90, aber vor GPT-4.1 mit 0,81.

ModellGesamtwert im CRM Bench
Salesforce Koa0,86
Opus-4.80,87
GPT-4.10,81
GPT-5.50,90

Bei der Genauigkeit von Funktionsaufrufen kommt Koa auf 0,77, während das zugrunde liegende Nemotron-Modell 0,71 erreicht. In weiteren veröffentlichten Vergleichen erzielt Koa 66,63 Prozent im BFCL und 69,41 im Tau2Bench. Für GPT-4.1 werden in diesen Auswertungen 53,96 Prozent beziehungsweise 54,51 genannt.

Salesforce fasst seine CRM-Ergebnisse außerdem als dreimal weniger Fehler bei CRM-Aktionen im Vergleich zu führenden Modellen zusammen. Diese Aussage bezieht sich auf die von Salesforce veröffentlichte Benchmark-Auswertung. Sie ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einem unabhängigen Nachweis, dass Koa allgemeine Spitzenmodelle insgesamt übertrifft.

Pilotbetrieb statt allgemeiner Verfügbarkeit

Koa steht derzeit ausgewählten Pilotkunden zur Verfügung. Salesforce plant die allgemeine Verfügbarkeit im Winter 2026 für US-Regionen. Eine allgemeine Verfügbarkeit in Deutschland ist damit nicht angekündigt.

Für Unternehmen ist außerdem relevant, wo das Modell ausgewählt und betrieben wird: Salesforce nennt Data Cloud und Agentforce als zentrale Integrationspunkte und gibt an, Modellgewichte, Nachtraining und Inferenz innerhalb der eigenen Infrastruktur zu kontrollieren. Das passt zu Koa' Zweck als spezialisiertes Modell für CRM-Aktionen, bei denen Berechtigungen, Werkzeuge und Prozessregeln zusammenkommen.

Die entscheidende Frage ist damit weniger, ob Koa in einem allgemeinen Sprachtest die beste Punktzahl erreicht. Salesforce setzt auf ein Modell, das konkrete CRM-Abläufe mit Werkzeugaufrufen und Zustandsänderungen verbinden soll — zunächst im Pilotbetrieb und mit einer geplanten Veröffentlichung in US-Regionen im Winter 2026.