Eine am 7. Oktober 2026 veröffentlichte Studie legt eine neue Erklärung für die Arsia Mons Elongated Cloud (AMEC) nahe: Ein meteorologisches Modell konnte wichtige Merkmale der wiederkehrenden Wassereiswolke nachbilden, wenn es homogene Eisnukleation einbezog. Dabei könnte Wasserdampf ohne vorhandene Partikel zu Eis werden. Die Forschenden leiten den Prozess aus dem Modell ab; direkt beobachtet wurde er nicht.
Die Arsia-Mons-Wolke und die neue Modellerklärung
Die AMEC ist eine wiederkehrende Wassereiswolke, die sich auf dem Mars in Windrichtung hinter dem Vulkan Arsia Mons bildet. Der Vulkan ist 20 Kilometer hoch; die Wolke kann sich über bis zu 1.800 Kilometer erstrecken.
Die 2026 veröffentlichte Studie schlägt nicht einfach eine andere Erklärung dafür vor, wie Luft über einen Berg strömt. Sie untersucht, wie sich innerhalb der aufsteigenden Luft Eispartikel bilden könnten. Das Modell konnte charakteristische Merkmale der Wolke reproduzieren, wenn es homogene Eisnukleation berücksichtigte.
Was homogene Eisnukleation bedeutet
Bei homogener Eisnukleation kann Wasserdampf direkt zu Eispartikeln werden, ohne dass sich zuvor Wasser an einem vorhandenen Teilchen anlagert. Bei der heterogenen Nukleation bietet dagegen ein Teilchen – etwa Staub – eine Oberfläche, an der sich Eis bilden kann.
Der Unterschied betrifft also die Entstehung der einzelnen Eispartikel. Dass Arsia Mons die Luftströmung beeinflusst, beschreibt einen anderen Teil des Geschehens: die großräumigen atmosphärischen Bedingungen, unter denen die Wolke entsteht.
Wie Arsia Mons die Bedingungen für die Wolke schaffen könnte
Nach der vorgeschlagenen Abfolge erzeugen Winde, die über Arsia Mons hinwegströmen, eine atmosphärische Welle. Sie hebt feuchte Luft an; beim Aufstieg kühlt die Luft ab und die relative Luftfeuchtigkeit steigt. Unter diesen Bedingungen könnte Wasserdampf durch homogene Nukleation zu Eispartikeln werden.
Die Abfolge verbindet somit zwei Vorgänge: Die Strömung über dem Vulkan hebt und kühlt feuchte Luft, während die homogene Nukleation beschreibt, wie daraus Eispartikel entstehen könnten. Die Simulation legt diesen Mechanismus nahe, beweist ihn aber nicht durch eine direkte Beobachtung.
Welche Beobachtungen Mars Express beisteuerte
Die Modellierung stützte sich auf Beobachtungen der Visual Monitoring Camera (VMC), der High Resolution Stereo Camera (HRSC) und des Instruments OMEGA an Bord von Mars Express. Die Raumsonde kann die Wolke beobachten und Veränderungen im Verlauf von Stunden verfolgen.
ESA zufolge stimmen einige Merkmale der modellierten Wolke nicht genau mit den Beobachtungen überein. Die Simulation bildet daher wichtige Eigenschaften der AMEC nach, aber nicht jedes beobachtete Detail.
Die Wolke wurde 2018 erstmals von Mars Express gezeigt
ESA zufolge machte Mars Express die Arsia-Mons-Wolke 2018 erstmals sichtbar. Die Wolke bildet sich täglich, wächst und löst sich wieder auf; dieser morgendliche Zyklus wiederholt sich mehrere Monate lang. Die Studie von 2026 nutzt Beobachtungen dieser Wolke, um eine mögliche Erklärung für die Bildung ihrer Eispartikel zu untersuchen.