Am 14. September 2026 kostete Diesel im deutschen Tagesdurchschnitt 2,43 € je Liter. Der Preisdruck entsteht derzeit nicht allein durch das Rohöl: Wenn Raffinerien nahezu ausgelastet sind, Lagerbestände sinken und Transportwege für fertige Produkte unter Druck geraten, kann Diesel deutlich schneller teurer werden als der Rohstoff selbst.
Die jüngste Prognose der U.S. Energy Information Administration (EIA) zeigt die Größenordnung des Problems für den US-Markt. Für die Woche vom 14. September meldete sie 6,285 US-Dollar je Gallone Diesel. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet sie im Jahresdurchschnitt 5,07 US-Dollar je Gallone – eine Jahresprognose und kein aktueller Wochenpreis.
Der Engpass liegt beim fertigen Kraftstoff
Rohöl muss zunächst verarbeitet werden, bevor daraus Diesel entsteht. Genau diese Zwischenstufe wird zum Flaschenhals, wenn Raffinerien ausfallen, Wartungen anstehen oder die vorhandene Kapazität fast vollständig genutzt wird. Mehr Rohöl allein bringt dann nicht automatisch mehr Diesel an die Tankstelle.
Patrick De Haan von GasBuddy beschrieb die US-Raffinerien in einem September-Interview mit einer Auslastung von ungefähr 98 Prozent. Damit bleibt kurzfristig wenig Spielraum, um zusätzliche Mengen herzustellen. Raffineriekapazität lässt sich außerdem nicht in wenigen Wochen nennenswert erweitern.
Was der Crack Spread über den Dieselpreis verrät
Der Crack Spread ist vereinfacht gesagt die Differenz zwischen dem Preis eines raffinierten Produkts – etwa Diesel – und den Kosten des eingesetzten Rohöls. Er ist kein vollständiger Gewinn einer Raffinerie, weil weitere Kosten und die Zusammensetzung der Produkte eine Rolle spielen. Er zeigt aber, wie stark der Markt die Verarbeitungskapazität bewertet.
Steigt der Preis für Diesel, während Rohöl deutlich weniger zulegt oder sogar fällt, weitet sich dieser Abstand aus. Die EIA erwartet für die USA von August bis November 2026 einen durchschnittlichen Diesel-Crack-Spread von mehr als 2 US-Dollar je Gallone. Eine weitere Marktübersicht stellte Diesel-Futures und WTI-Rohöl-Futures auf eine gemeinsame Basis: Bis August lagen die Diesel-Futures bei 102 Prozent ihres Niveaus vom 1. Januar 2026, WTI dagegen bei 48 Prozent.
| Vergleich | Basis | Niveau am Periodenende | Zeitraum |
| Diesel-Futures | 1. Januar 2026 = 100 | 102 % | Januar bis August 2026 |
| WTI-Rohöl-Futures | 1. Januar 2026 = 100 | 48 % | Januar bis August 2026 |
Diese Werte sind indexiert: Sie vergleichen die Entwicklung beider Futures mit demselben Ausgangspunkt, nicht den Preis einer Tankfüllung mit dem Preis eines Barrels Rohöl.
Lagerbestände und Auslastung verschärfen den Druck
Die EIA prognostiziert, dass die US-Bestände an Destillatprodukten im September 2026 unter 100 Millionen Barrel fallen. Sie sollen bis zum Ende des Jahres 2026 und während eines Großteils von 2027 unter dem Tiefpunkt des Vergleichszeitraums 2021 bis 2025 bleiben.
Mehrere Faktoren treffen dabei aufeinander: saisonale Wartungen in Raffinerien, eine stärkere Nachfrage aus der Landwirtschaft, hohe Exporte von Destillatprodukten und Störungen bei Raffinerien sowie Tankertransporten im Ausland. Die EIA erwartet, dass die US-Nettoexporte von Destillat seit Februar 2026 in jedem Monat nahe am Fünfjahreshoch oder auf diesem Niveau liegen.
Das erklärt, warum ein Rohölpreis allein wenig über den Dieselpreis aussagt. Entscheidend ist, wie viel fertiger Kraftstoff tatsächlich verfügbar ist und wie zuverlässig er die Abnehmer erreicht.
Warum der Dieselpreis auch Lebensmittel verteuert
Diesel steckt nicht nur im Tank von Lastwagen. Er wird im Güterverkehr, in der Landwirtschaft und bei schwerem Gerät eingesetzt. Steigende Kraftstoffkosten können deshalb in Transportpreise und anschließend in die Preise für Lebensmittel, Bauleistungen und andere Waren einfließen.
Ein Beispiel aus dem US-Frischwarentransport zeigt die Größenordnung: Die Kosten für eine Ladung stiegen dort von 5.000 US-Dollar im Vorjahr auf 9.000 US-Dollar innerhalb der jüngsten Sieben-Tage-Periode. Nado Gonzalez von River City Produce beschrieb, dass solche Mehrkosten an die nächste Stufe der Lieferkette weitergegeben werden.
Was den Markt wieder entspannen könnte
Die EIA prognostiziert für die USA einen durchschnittlichen Dieselpreis von 4,40 US-Dollar je Gallone im Jahr 2027, nachdem sie für 2026 noch 5,07 US-Dollar erwartet. Diese Entspannung setzt in ihrer Basisprognose voraus, dass sich der Tankerverkehr im Nahen Osten und die Raffinerieexporte verbessern.
Bleiben diese Lieferwege länger gestört, hält die EIA ein Szenario mit höheren Preisen für wahrscheinlicher als in ihrer Basisprognose. Bis dahin bleibt der entscheidende Hebel nicht nur der Rohölzufluss, sondern die Fähigkeit, daraus genügend Diesel zu raffinieren, zu lagern und zu transportieren.