Am 10. September 2026 wurde von wachsendem Kostendruck auf chinesische KI-Beschleuniger berichtet. Im Mittelpunkt stehen der Huawei Ascend 950DT und der noch nicht offiziell gestartete Cambricon 690. Der gemeinsame Engpass liegt nicht nur beim Rechenchip: High Bandwidth Memory (HBM) ist für moderne KI-Systeme ein ebenso entscheidendes Bauteil – und dieser Markt wird von wenigen Anbietern dominiert.
Warum der Engpass jetzt die Beschleunigerpreise erreicht
Ein KI-Beschleuniger kann nur dann große Modelle trainieren oder Inferenzen ausführen, wenn er laufend Daten erhält. Genau hier kommt HBM ins Spiel. Wenn dieser Speicher schwerer verfügbar ist, verteuert sich nicht automatisch jeder Chip weltweit. Für Hersteller, die auf begrenzte oder teurere Bezugswege angewiesen sind, steigt jedoch der Kostendruck auf das gesamte Beschleunigerpaket.
Für den Huawei Ascend 950DT und den noch nicht offiziell gestarteten Cambricon 690 wurden höhere Preisindikationen beziehungsweise Aufschläge gegenüber früheren Angaben gemeldet. Diese Angaben beschreiben keine offiziellen, allgemein gültigen Preislisten. Sie zeigen aber, worum es bei der aktuellen Entwicklung geht: Der Speicher neben dem Prozessor wird zum wirtschaftlichen Flaschenhals.
Die Belastung betrifft damit nicht nur die Konstruktion eines einzelnen Chips. Sie reicht bis zu Beschaffung, Vertragsbedingungen und der Fähigkeit, ausreichend passende Speicherbausteine für komplette KI-Systeme zusammenzustellen.
Was HBM für KI-Chips leistet
HBM steht für High Bandwidth Memory, also Speicher mit hoher Bandbreite. Dabei werden DRAM-Bausteine vertikal gestapelt und nahe am Beschleuniger platziert. Die kurze Verbindung hilft, große Datenmengen schnell zwischen Speicher und Recheneinheit zu bewegen.
Für das Training und die Inferenz großer KI-Modelle ist das zentral. Der Prozessor wartet weniger auf Nachschub und kann seine Rechenwerke kontinuierlich mit Daten versorgen. HBM ist deshalb nicht einfach „mehr RAM“, sondern ein speziell auf hohe Datenraten und die Nähe zum Rechenchip ausgelegter Teil des Systems.
Die Abhängigkeit lässt sich als Kette verstehen: Der Beschleuniger verarbeitet die Daten, HBM liefert sie mit hoher Geschwindigkeit, und eine begrenzte Zahl von Speicherherstellern bestimmt, wie viel davon verfügbar ist. Fällt ein Glied unter wachsende Nachfrage, wird der komplette Aufbau teurer oder schwerer planbar.
Ein konzentrierter Markt
Die Messung für das zweite Quartal 2026 zeigt einen stark gebündelten weltweiten HBM-Umsatzmarkt. SK hynix kam auf 50 Prozent, Samsung auf 33 Prozent und Micron auf 18 Prozent. Zusammen ergeben die gerundeten Werte 101 Prozent – kein Rechenfehler, sondern eine Folge der Rundung.
| Unternehmen | Weltweiter HBM-Umsatzanteil, Q2 2026 | Weltweiter DRAM-Umsatzanteil, Q2 2026 | Bedeutung für die Geschichte |
| SK hynix | 50 % | 25 % | Größter gemessener HBM-Anbieter |
| Samsung | 33 % | 38 % | Zweitgrößter gemessener HBM-Anbieter |
| Micron | 18 % | 24 % | Drittgrößter gemessener HBM-Anbieter |
| CXMT | Nicht ausgewiesen | 10 % | Sichtbare Position bei DRAM, aber keine ausgewiesene HBM-Umsatzquote |
Wichtig ist die Trennlinie zwischen den beiden Messgrößen: Die 10 Prozent von CXMT beziehen sich auf den weltweiten DRAM-Umsatz, nicht auf HBM. Aus diesem Wert lässt sich kein HBM-Marktanteil ableiten. Genau diese Verwechslung würde Chinas Fortschritt bei Standard-DRAM größer erscheinen lassen, als die verfügbaren HBM-Daten zeigen.
Exportkontrollen und globale Nachfrage
Die US-Behörde Bureau of Industry and Security führte am 2. Dezember 2024 neue Kontrollen für bestimmte HBM-Produkte ein. Erfasst werden unter anderem HBM aus US-Herkunft sowie bestimmte im Ausland gefertigte Produkte, die den US-Exportregeln unterliegen. Das ist keine pauschale Sperre für jedes Speicherprodukt und kein Verbot sämtlichen HBM-Handels.
Parallel wächst die Nachfrage aus KI-Rechenzentren. Training und Inferenz großer Modelle benötigen große Mengen schneller Speicherressourcen. Zusätzlich wirken Produktionsverlagerungen, die starke Nachfrage nach herkömmlichem DRAM und eingeschränkte Bezugswege auf den Markt. Präziser als „KI verursacht allein eine Chipknappheit“ ist daher: KI-Rechenzentren verstärken den Druck auf einen ohnehin angespannten Speichermarkt.
Für chinesische Beschleunigerhersteller entsteht daraus ein doppeltes Problem. Sie müssen eigene Rechenchips entwickeln und zugleich Zugang zu einer Speichertechnologie sichern, deren globale Umsatzverteilung stark konzentriert ist.
Chinas eigener Speicher ist noch am Anfang
CXMT produziert Berichten zufolge HBM3E in kleinen Stückzahlen. Außerdem sollen T-Head und Cambricon den Speicher mit eigenen Prozessoren testen. Diese Entwicklung zeigt, dass China an einer inländischen Alternative arbeitet. Sie belegt aber weder eine Produktion im großen Maßstab noch vergleichbare Ausbeute, Kundenmengen oder Leistungswerte.
Auch bei Huawei werden für die Ascend-950-Serie die Speichertechnologien HiBL 1.0 beim 950PR und HiZQ 2.0 beim 950DT genannt. Wo und wie diese Technologien gefertigt werden, ist nicht öffentlich erklärt. Daraus folgt kein Nachweis einer vollständig inländischen Speicherproduktion.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob China HBM herstellen kann. Entscheidend ist, ob daraus eine verlässlich verfügbare, leistungsfähige und ausreichend große Versorgung für KI-Beschleuniger wird. Kleine Stückzahlen sind ein Anfang – aber noch keine industrielle Antwort auf einen konzentrierten Weltmarkt.
Was das für chinesische Alternativen zu Nvidia bedeutet
Eigene Beschleunigerdesigns verringern die Abhängigkeit vom ausländischen Prozessorangebot nicht automatisch. Ein KI-System braucht weiterhin Speicher, Packaging, Fertigungskapazitäten und eine Lieferkette, die alle Komponenten zusammenführt.
Der aktuelle Kostendruck macht diese Abhängigkeit sichtbar. Selbst wenn ein chinesischer Hersteller einen eigenen Beschleuniger entwickelt, kann ein Engpass bei HBM die Wirtschaftlichkeit und die verfügbare Stückzahl beeinflussen. Chinas HBM3E-Aktivitäten sind daher strategisch relevant, ersetzen aber noch keine etablierte Großserienversorgung.
Der nächste Engpass sitzt möglicherweise nicht im Rechenwerk, sondern direkt daneben. Solange HBM-Angebot, Exportregeln und KI-Nachfrage gleichzeitig Druck erzeugen, bleibt der Speicher ein entscheidender Faktor dafür, wie teuer und skalierbar chinesische KI-Hardware tatsächlich wird.