Blue Origin stellte am 5. November 2026 GS3, eine dritte Stufe für New Glenn, und das Boostertriebwerk Northstar vor. Für GS3 nennt das Unternehmen je nach Raketen-Konfiguration und Ziel bis zu 8 beziehungsweise 14 metrische Tonnen Nutzlast für die geostationäre Umlaufbahn (GEO) sowie 10 beziehungsweise 20 Tonnen für den Einschuss auf eine Mondtransferbahn (TLI). Northstar beschreibt Blue Origin als sein zweites Boostertriebwerk neben BE-4.
Bei den GS3-Nutzlastwerten gehören Konfiguration und Zielbahn immer zusammen: Die Zahlen für 7x2 und 9x4 lassen sich nicht voneinander trennen.
Was GS3 für New Glenn leisten soll
Blue Origin sieht GS3 für Missionen mit hoher Energie vor: Die dritte Stufe soll Nutzlasten direkt in die GEO oder auf Fluchtbahnen von der Erde bringen. Zu den genannten Aufgaben gehören außerdem das Einschleusen in mittlere Erdumlaufbahnen (MEO) und GEO, das Aussetzen mehrerer Nutzlasten, längere Flugphasen ohne Triebwerkszündung und mehrere präzise Triebwerkszündungen. Als Antrieb nennt Blue Origin BE-7; für GS3-Missionsprofile gibt das Unternehmen einen spezifischen Impuls von mehr als 460 Sekunden im Vakuum an. Diese Angaben beschreiben die von Blue Origin vorgesehenen Fähigkeiten der Stufe.
Die Stufe soll in eine Zwischenstufe integriert werden. Laut Blue Origin bleiben die festen Nutzlastadapter und die Nutzlastverkleidung dieselben wie bei der zweistufigen New Glenn; das volle Volumen der Verkleidung soll für Kunden-Nutzlasten erhalten bleiben. Blue Origin erläutert GS3 und die vorgesehenen Missionen.
Zur möglichen Rückkehr von New Glenn zum Flug im November hatte NeoTeo bereits zuvor berichtet. GS3 betrifft die geplante Erweiterung der Rakete um eine dritte Stufe.
Welche Nutzlasten Blue Origin für 7x2 und 9x4 nennt
GEO bezeichnet eine geostationäre Umlaufbahn; TLI steht für den Einschuss auf eine Bahn zum Mond. Blue Origins Höchstangaben unterscheiden sich je nach New-Glenn-Konfiguration:
| New-Glenn-Konfiguration | Nutzlast zur GEO (metrische Tonnen, bis zu) | Nutzlast zur TLI (metrische Tonnen, bis zu) |
| 7x2 | 8 | 10 |
| 9x4 | 14 | 20 |
Die Tabelle gibt die von Blue Origin genannten Leistungswerte wieder. Sie sind Herstellerangaben zu den jeweiligen Konfigurationen und Zielen. Für die 9x4 nennt Blue Origin damit höhere Höchstwerte als für die 7x2, sowohl zur GEO als auch zur TLI.
Was Blue Origin über den Tanktest berichtet
Blue Origin berichtet von zwei getrennten Drucktests an einem Verbundtank für flüssigen Wasserstoff (LH₂), bei denen Systeme mit Flugmedien verwendet worden seien. Der Tank sei zunächst 2,5 Stunden bei 100 Prozent des maximal erwarteten Betriebsdrucks (MEOP) und in einem separaten Test 10 Minuten bei 150 Prozent MEOP beaufschlagt worden. Das Unternehmen erwartet, dass dieser Tank der erste Verbundtank für flüssigen Wasserstoff sein wird, der im Weltraum fliegt. Blue Origin nennt die Testbedingungen und die erwartete Einordnung des Tanks.
Northstars Aufbau und der Schubvergleich mit BE-4
Blue Origin gibt für Northstar flüssigen Sauerstoff und verflüssigtes Erdgas (LOX/LNG) als Treibstoffe an. Das Triebwerk nutze einen sauerstoffreichen gestuften Verbrennungszyklus und eine Turbopumpe mit einer Welle. Nach Angaben des Unternehmens werden mehr als 65 Prozent des Triebwerks additiv gefertigt.
| Triebwerk | Schub (Pfund-Kraft, laut Blue Origin) |
| Northstar | 715.000 |
| BE-4 | 640.000 |
Den Vergleich mit BE-4 verbindet Blue Origin mit weiteren Herstellerangaben: Northstar habe 30 Prozent weniger Masse und 50 Prozent weniger Bauteile. Das Unternehmen sagt außerdem, die Montage dauere weniger als einen Tag; Entwicklungstests hätten elf Monate nach der Genehmigung des Programms begonnen. Blue Origin bezeichnet Northstar als sein zweites Boostertriebwerk neben BE-4. Die Northstar-Ankündigung enthält die Angaben zu Aufbau, Fertigung und Schub.
Die geplante cislunare Mission
Blue Origin zufolge beauftragte ein nicht genannter staatlicher Kunde eine cislunare Mission mit GS3. Als Ziel für den Start nannte das Unternehmen das Jahr 2028.