Sceye und SoftBank erprobten in Japan Mobilfunk aus einer Höhenplattform. Ein am 19. Oktober veröffentlichter Bericht von Ars Technica schildert, wie SoftBank für den Live-Test die örtliche Mobilfunkversorgung abschaltete und Sceyes Plattform die Verbindung übernahm.

Wie der HAPS Mobilfunk bereitstellte

HAPS steht für „High Altitude Platform Station“: eine Plattform in großer Höhe, die Funktechnik tragen kann. Beim Service Test 1 (ST1) flog Sceyes unbemanntes, leichter-als-Luft-System in rund 16,5 bis 17 Kilometern Höhe. An Bord befand sich laut SoftBank eine Basisstation mit 4G-LTE-äquivalenter Technik. Ein Bodengateway verband sie mit dem Kernnetz des japanischen Mobilfunkbetreibers.

Die von Ars Technica beschriebene Abschaltung der örtlichen Versorgung machte den Test zu einer Live-Erprobung von Mobilfunk als Backup. Sceyes Plattform stellte in diesem Szenario die Verbindung bereit. Das war ein konkreter Feldversuch mit dem Netz von SoftBank, kein flächendeckender Betrieb.

SoftBank verortete den Test vor der Küste bei Muroto in der Präfektur Kōchi, nahe Kap Muroto. Das Unternehmen berichtete außerdem, die Plattform habe ihre Position in einem Radius von nur 5 Kilometern gehalten. Die gemeldete Funkleistung sei mit der terrestrischer Netze vergleichbar gewesen, bei zugleich geringeren Funkstörungen für Bodenstationen.

Welche Verbindungen die Beteiligten erprobten

SoftBank und Sceye meldeten Tests mit Sprachanrufen, Textnachrichten, Apps, Videostreaming und Videoanrufen. Auch Warnmeldungen und Anrufe bei der japanischen Seenotrufnummer 118 gehörten dazu. Über die HAPS-Verbindung prüften die Partner außerdem die Fernsteuerung von Drohnen sowie die Übertragung von Standortdaten und Video.

Ein eigener Test galt Edge Computing. Dabei werden Daten nahe an ihrem Einsatzort verarbeitet, statt sie erst über das Internet zu einem entfernten Cloud-Server zu schicken. SoftBank meldete für einen Server an Bord eine durchschnittliche Verarbeitungsantwortzeit von 68 Millisekunden für Hin- und Rückweg. Im Vergleich zur Verarbeitung in einer Internet-Cloud sei die Latenz um mehr als 40 Prozent gesunken.

Der Flug endete im September

Sceye startete ST1 am 9. August 2026 in New Mexico. Laut SoftBank erreichte die Plattform am 23. August nach einer rund 13-tägigen Überquerung japanischen Luftraum. Sceye meldete, ST1 sei am 4. September wieder in den Luftraum der kontinentalen USA eingetreten und am 5. September in die Nähe von Moriarty in New Mexico gelangt. Nach weiteren Fahrzeugtests wurde die Mission dort mit der geplanten Beendigung des Flugs und dem Abstieg abgeschlossen. Sceye bezifferte den Flug auf 30 Tage und knapp 30.000 Kilometer.

SoftBank erklärte am 2. September, die Testergebnisse sollten in die Vorbereitung einer möglichen Kommerzialisierung von HAPS in Japan ab 2027 einfließen. Der Betreiber nannte damit ein Vorbereitungsziel, keinen bestätigten Starttermin für einen Mobilfunkdienst.