Felix Rieseberg sagte, er habe im Oktober 2026 aufgehört, Bewerber für sein Team bei Anthropic klassische Codingtests absolvieren zu lassen. Der Engineering Manager begründete den Schritt mit seiner Einschätzung, Claude löse kleine React-Aufgaben und Fragen zu Assembly inzwischen besser als die Kandidaten. Zuvor hatte er solche Aufgaben als schwachen, aber brauchbaren Hinweis auf den späteren Erfolg im Job betrachtet.

Warum Rieseberg auf Codingtests verzichtete

Rieseberg wollte mit den Übungen nicht länger das Signal messen, das er für die Auswahl suchte. Seine Einschätzung zu Claude bezieht sich auf kleine Programmieraufgaben, nicht auf einen allgemeinen Leistungsvergleich zwischen KI und Bewerbern.

Worauf er bei Bewerbungen schaut

Rieseberg prüft derzeit Lebensläufe und Portfolios auf kleine Prototypen, an denen sich nach seiner Ansicht Geschmack, Empathie und ein klares Werteverständnis zeigen. Eine neue Methode für Bewerbungsgespräche hat er noch nicht festgelegt. Die Portfolio-Sichtung ist daher sein vorläufiger Ansatz, kein ausgearbeitetes Ersatzverfahren.

Sein Rat für eigene Projekte

Für Entwicklerinnen und Entwickler, die Wirkung zeigen wollen, empfiehlt Rieseberg, Geschäftszielen Vorrang vor gewöhnlichen Aufgaben aus dem Arbeitsvorrat zu geben. Die eigene Idee sollte zu den Zielen des Unternehmens passen, ambitioniert sein und sich auf einen Kern konzentrieren. Statt viele Ansätze zu bündeln, rät er zu einem funktionierenden Prototyp und dazu, die Perspektive eines Neulings zu nutzen.

Als Beispiel nannte Rieseberg Anthony Morris und Alice Zhao: Die beiden Anthropic-Ingenieure hätten an einem Wochenende einen funktionierenden Prototyp für eine grafische Oberfläche von Claude Code gebaut. Die erste öffentliche Version sei ungefähr acht Tage später erschienen.

Was eine Umfrage zum Einsatz von Tests berichtet

Infobae berichtete über eine ZipRecruiter-Befragung von 1.500 Arbeitgebern. Demnach verlangten 62,5 Prozent der Arbeitgeber im Informationssektor formale Fähigkeitstests bereits in der ersten Bewerbungsphase. 61,5 Prozent der Arbeitgeber in diesem Sektor nannten kritisches Denken als wichtigste Kompetenzlücke bei Bewerbern. Die beiden Werte beziehen sich auf unterschiedliche Fragen der Befragung.