Die University of Sheffield meldete am 26. Oktober 2026 eine wiederholbare Glasrezeptur, die den Farbeffekt des Lycurgusbechers nachbildet. Die Universität führte sie auf ein Fragment des antiken Glases zurück und berichtete, das Ergebnis lasse sich in größerer Menge herstellen. Für die begleitende Skulptur kündigte Sheffield eine Premiere vom 6. bis 15. November 2026 in der Millennium Gallery an, gefolgt von einer geplanten dauerhaften Ausstellung im Turner Museum of Glass.

Dr. Lisa Hollands entwickelte die Rezeptur gemeinsam mit Professor Caroline Jackson, einer Expertin für römisches Glas. Das Team stellte eine Glasbasis aus modernen Materialien her, die römische Ausgangsstoffe nachahmen sollten, und versuchte, kleine Mengen Gold und Silber in der passenden Form einzubringen. Hollands prüfte verschiedene Ofentypen, Ausgangsstoffe und Sauerstoffgehalte. Auch Zucker kam in einem Versuch zum Einsatz.

Vom ersten Farbeffekt zur wiederholbaren Rezeptur

Ein 2025 veröffentlichter Aufsatz von Hollands, Jackson und John Parker beschreibt eine frühere Entwicklungsstufe: Nach einer ersten viermonatigen Arbeitsphase entstand ein Glas mit einem ähnlichen Effekt wie beim Lycurgusbecher. Das Probestück wurde am Tag vor einer Ausstellung fertig; weitere Schmelzversuche und Untersuchungen folgten. Die 2026 gemeldete wiederholbare Rezeptur und die Herstellung in größerer Menge beschreiben einen späteren Stand der Arbeit.

Sheffield leitete die moderne Rezeptur aus einem Fragment des antiken Glases ab. Sie rekonstruiert den Farbeffekt, belegt aber nicht den vollständigen Herstellungsweg der Römer. Nach Angaben der Universität ist weiterhin unbekannt, wie die römischen Glashersteller den Effekt genau erzeugten.

Warum das Glas je nach Licht grün oder rot erscheint

Das Video der University of Sheffield zeigt das Forschungsprojekt und Elliot Walkers Skulptur; der Ton ist auf Englisch.

Der Lycurgusbecher, ein römischer Käfigbecher aus dem 4. Jahrhundert, wirkt im reflektierten Licht grün und im durchscheinenden Licht rot. Eine 2007 veröffentlichte Studie brachte den Effekt mit einer Legierung aus Silber und Gold im Glas in Verbindung. Die darin beschriebenen Nanopartikel sind typischerweise etwa 70 Nanometer groß.

Sheffield beschreibt auch das nachgebildete Glas als jadegrün bei reflektiertem Licht und rubinrot bei durchscheinendem Licht. Die Farben hängen davon ab, aus welcher Richtung das Licht auf das Glas trifft oder hindurchscheint.

Glas, Nanokomposit und Flüssigkeit sind verschiedene Ansätze

Die Sheffield-Arbeit betrifft eine Glasrezeptur. Eine 2020 veröffentlichte Studie beschrieb einen ähnlichen Farbeindruck mit getrennten kolloidalen Lösungen aus Gold- und Silbernanopartikeln. Jennifer Ouellette berichtete 2026 außerdem über eine weitere, 2020 entwickelte Variante: ein 3D-druckbares Nanokomposit mit eingebetteten Silber- und Goldnanopartikeln. Diese Ansätze erzeugen ähnliche optische Eindrücke, beruhen aber auf unterschiedlichen Materialien und Verfahren.

Elliot Walkers Skulptur verbindet zwei künstlerische Motive

Der Glaskünstler Elliot Walker fertigte die von Sheffield beauftragte zeitgenössische Skulptur mit Hollands Rezeptur an. Walker verband die Geschichte des Lycurgusbechers mit dem Farnesischen Atlas: An die Stelle des Globus tritt ein Becher. Sheffield beschreibt das nachgebildete Glas vor allem als dekorativ. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten nach Einschätzung der Universität auch für photonische Materialien und Spezialgläser zur Entsorgung radioaktiver Abfälle nützlich sein.